Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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ten Exemplare des K. botanischen Gartens fast ei-nen Fufs lang, mit dicht ansehliefsenden weifsengestreiften Schuppen bekleidet und gekrümmt, sodafs sie mit der verdünnten Spitze aus der Erdehervortreten und zu einer neuen Pflanze erwach-sen; alle diese Knollen, die die Pflanze schon inunsern Gewächshäusern in bedeutender Anzahl undStärke ausbildet, sind geschmacklos und sehr reichan Stärkmehl.

Der Stengel ist krautartig, drei bis vier Fufshoch und von Grund an in lange sparrige Aeste,die aus verdickten Gelenken hervorkommen, ge-theilt, diese Aeste sind etwas zusammengedrücktund mit zarten kurzen dichtstehenden Haaren be-kleidet. Die unteren Blätter stehen auf langen auf-rechten steifen Blattscheiden, die an der Basis et-was abstehen, an der Spitze fest auschliefsen, undin einen kurzen Blattstiel endigen.

Die Blätter selbst sind acht bis zwölf Zolllang, zwei bis drei Zoll breit, aus eiförmiger Basislang zugespitzt und wie der Stengel so fein be-haart, dafs es dem blofsen Auge kaum sichtbar er-scheint; gegen die Spitze hin werden sie allmähligkleiner und fehlen endlich ganz, so dafs nur dieBlattscheiden vorhanden sind.

Die Blüthen stehen zu zwei an der Spitzeder Aeste, die sich dichotomisch in mehrere Blü-thenstiele theilen und zwar so, dafs immer eine die-ser Blüthen etwas länger gestielt ist als die andere.Die Blüthenstielchen sind glatt.

Der untere Fruchtknoten ist ebenfalls glatt,stumpf dreiseitig und trägt auf seiner Spitze denaus drei regelmäfsigen, lanzettförmigen, am Randehäutigen Blättchen gebildeten Kelch.

Die Blüthen sind ganz weifs und wegen ih-rer aufserordentlichen Zartheit sehr schwierig zuanalysiren. Das Blumenrohr ist gekrümmt, unge-fähr einen halben Zoll lang, und an der Spitze ineinen doppelten Saum, wie bei allen Scitamineen,gespalten; der äufsere ist aus drei gleichförmigenetwas gewölbten Abschnitten gebildet; der innereSaum (corolla interior) besteht aus zwei nach derSeite oder nach oben gerichteten und abste-henden, verkehrt eiförmigen und abgerundeten, ineinem kurzen Nagel herablaufenden Blättchen; die-sen entgegen steht ein etwas kürzeres in zwei un-gleiche Abschnitte schief gespaltenes Blättchen, des-sen einer Abschnitt so gefaltet ist, dafser das Pistill umhüllt und zurückhält;' an der Seite steht ein viertes aufrechtes Blättchen,welches wir als den blumenblattähnlichen Staubfa-den betrachten, es ist zweispaltig, und die beidenstumpfen Lappen umfassen sich kappenförmig; aufeinem kurzen dünnen fadenförmigen Anhang diesesBlättchens ist der gelbe einfäcbrige Staubbeutelbefestigt.

Der Griffel ist mit dem Blumenrohr verwach-sen, weifs, nach dem Hervortreten aus der Faltedes Blumenblattes hakenförmig abwärts gebogen,an der Spitze concav und gewimpert.

Der Fruchtknoten ist vom Kelch umgeben,stumpf-dreiseitig; die Frucht ist bei der Reifegrün und mit dem stehenbleibenden Kelch undder vertrockneten Blumenhülle gekrönt; sie enthält

zeigteübrigens

angesehenangewendet.

nur einen Saamen, der die ganze Fruchthülle erfüllt.Dieser ist mit einer festen violett-schwärzlichen Te-sta bedeckt, die eine sehr zarte durchsichtige Saamendecke (arillus) bekleidet; der weifse, durchseine zahnförmige Gestalt ausgezeichnete Keimhofist nach unten gekehrt.

Der Embryo liegt hakenförmig gekrümmt imweifsen mehligen Eiweifskörper, so dafs das Wür-zelchen und das Federchen gegen den Nabel ge-richtet sind.

Aus den oben beschriebenen fleischigen Wur-zelsprossen wird in W estindien, besonders inJamaika, ein feines weifses Satzmehl bereitet, wel-ches seit einiger Zeit von England aus unter demNamen Arrowroot in den Handel gekommen istund als ein sehr leicht verdauliches Nahrungsmittelden Aerzten empfohlen wurde. Uebrigens scheintdieses Arrowroot von dem gemeinen Stärkmehl nichtwesentlich verschieden, doch verdient das schnelleEntfärben der mit Jodine blau-gefärbten Auflösungin chemischer Hinsicht einige Beachtung. Dafs dieWurzeln dieser Pflanze eine sehr reichliche Mengeeines sehr weifsen geschmacklosen Amylums geben,mir ein kleiner damit angestellter Versuch;wird gewifs auch die Wurzel der nahverwandten M. In die a zur Bereitung des Arro-wroots angewendet. (S. Dr. Martius in BuchnerRepert. B. VI. u. Pf äff Mat. med. Suppl. I. u. II.Anm. Die Pflanze, heifst Pfeilkraut, weil sie inIndien als ein Heilmittel gegen vergiftete Pfeileist; auch wird sie in Wechselfiebern(Bull. univ. Octob. 24). (N. v. E.)

Abbildungen.Redoute Liliaceae I. tab. 57.Fischer Act. Mosquens III« tab. 8.

Erklärung der Tafeln.

A. 1. Die Wurzel mit den knolligen Sprossen.2. Ein unteres Stengelblatt.

B. 6. Der obere Theil der blühenden Pflanze.

4. Eine ganze Blüthe mit dem Kelch,

5. Der Kelch,

6. Eine der Länge nach geöffnete Blüthe, umden herablaufenden Griffel zu zeigen.

7. Das Blumenrohr mit dem äufsern Saum undden beiden abwärts gebogenen gröfseren in-nern Blumenblättchen.

8. Die Spitze der Blume, von oben gesehen.(Alles in natürlicher Gröfse.)

g. Der Staubfaden, vergröfsert.

10. Das vierte innere Blättchen der Blumenkronemit dem Staubfaden und dem gekrümmtenGriffel; die beiden Lappen sind ausgebreitet.

11. Dieselbe Figur stark vergröfsert, die Lappenliegen kappenförmig über einander.

12. Dasselbe Blättchen in natürlicher Gröfse, vonder Seite gesehen.

13. Dasselbe, von vorn gesehen.

i4- Das innere Blumenblatt, welches mit derseitlichen Falte das Pistill zurückhält, in na-türlicher Gröfse.

i5. Der Griffel mit der Narbe.

i(3. Derselbe, vergröfsert.

17. Die unreife Frucht mit dem stehenbleibendenKelch und der verwelkten Blumenkrone.

18. Die reife Frucht, in natürlicher Gröfse.ig. Dieselbe, an einer Seite geöffnet.

20. Der Saamen, vom Rücken gesehen.

21. Derselbe, von vorn gesehen.

22. Derselbe, im Längsdurchschnitt mit dem Em-

bryo,

stark vergröfsert.