Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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Benennungen:

Deutsch, Antivenerische Lobelie, virginianischeLobelie, Brechlobelie, blaue Kardinals-blume.

Franz. Lobelie, siphillitique, La cardinale bleue.

Engl. The blue Cardinals flower.

Ho 11, Pokkige Lobelia.

Diese perennirende Pflanze, welche im nördli-chen Amerika in Virginien in trocknen, lehmigenWäldern wächst, wird schon seit langer Zeit in Eu-ropa gezogen, und kommt auch in unsern Gärtensehr gut fort.

Der aufrechte, krautartige, selten ästige, anden Ecken mit etwas steifen Haaren verseheneStengel derselben, erhebt sich zu einer Höhevon 2 oder 3 Fufs.

Die grünen, oval - lanzettförmigen, l bis 2 Zolllangen, ungleich gesägten Blätter sind abwech-selnd, aufsitzend und etwas rauh.

Die B1 ü t h e n stehen einzeln in den Achseln,sind kurzgestielt, ziemlich grofs, ein wenig haarigan den äufsern Winkeln und von schöner, blauerFarbe.

Der Kelch ist einblättrig, sägenartig gezähnt,verwelkend, haarig, winkelig, mit fünf spitzigen,etwas ungleichen, lanzettförmigen Einschnitten, de-ren Buchten zurückgebogen sind.

Die unregelmäfsige, einblättrige Blumenkro-ne ist röhrig, eckig, mit fünf ungleichen, am Ran-de mit Haaren eingefafsten, lanzettförmigen Lappenversehen, welche zwey Lippen bilden, wovon dieobere aus zwey kleinern, tiefer eingeschnittenen undmehr zurückgeschlagenen, die untere Lippe hinge-gen, woran sich zwey Erhabenheiten befinden,mehrentheils aus drey gröfsern Lappen besteht.Die Staubfäden an der Zahl fünf, tragen zu-sammenhängende Staubbeutel. Der Frucht-knoten sitzt unten und hat einen einfachen Grif-fel mit zweylappiger borstiger Narbe. Die Fruchtist eine eyrunde, zweyfächerige Kapsel, die mitdem Kelch umgeben ist, und viele kleine Saamenenthält.

Die semeine Lobelie blüht vom August bis Oc-tober.

Die Wurzel derselben (radix lobeliae) ist of-fizinell. Sie besteht aus dünnen, weifsen und ei-nigen fingerslangen Fasern. Frisch enthält sie ei-nen Milchsaft, welcher sich mehr oder wenigerauch in allen übrigen Theilen der Pflanze findet.Ihr Geruch ist narkotisch und widrig. Der Ge-schmack der getrockneten Wurzel ist scharf, an-haltend und tabackartig, der frischen aber weitschärfer. Sie erregt Erbrechen, führt auch heftigab und wird besonders in Amerika als ein Specifi-cum gegen die Lustseuche gebraucht.

Sie wird leicht mit der Wurzel der weifsenCardinalsblume (Lobelia longiflora L.) verwechselt,die sehr giftig ist, und deren Anwendung aber weitbedenklicher seyn soll.

Abbildungen.

Zorn icon. pl. t. 368.

Morison hist. 2. p. 463. s. 5. t. 5. f. 55.

Kerner p. 93, t. i55.

Schkuhrs bot. Handb. t. 3<).

Jacquin icon. pl. rar. III. t. 597.

Plenk icon. plant, med. t. 642.

Handb. der pharm, bot. bl. LXXV1I. f. 370.

Fl. du dict. des scienc. med. livr. 58. pl. 222.

Erklärung der Platte.Taf. No.

Ein blühender Stengel.

Ein Wurzelblatt.

Wurzel.

Geöffnete Blumenkrone mit den Geschlechts-theilen.

Fruchtknoten mit den sämmtlichen Befruch-tungswerkzeugen.

Fruchtknoten mit dem Stempel ohne die Staub-gefäfse.

Kelch mit der Frucht.

querdurcbschnittene Fruchtkapsel.

Ein vergröfsertes Saamenkorn.

1.2.3.4.

5.

7-

8.