sind. Alle dit'se Aeste ({teilen sich nach ihrer Spit-ze zu, mehr oder weniger ein jeder wieder in dreidie Blume tragenden Abteilungen, so dafsdasGan-ze einen Ungeheuern, pyramidenförmigen Blütheu-JJiischel bildet, der oft vier tausend einzelne Blu-men enthält. Diese sind ganz aufrecht stehend,grünlich-gelblich, über dem Fruchtknoten befind-lich, sechstheilig, trichterförmig, die Röhre in derMitte verengt; die Einschnitte der Krone schmallanzettförmig und ganz aufrecht stehend; die GStaubfäden an der innern Seite der Blumenröh-re angewachsen, vor der Entwickelang nach der Mit-te einwärts gebogen, darauf ganz aufrecht und viellänger als die ßlumenkrone. Die Staubbeutelsind schmal, wohl einen Zoll lang, der Länge nachaufspringend, sehr leicht an den Staubfäden beweg-lich und gelblich. Der aus dem Fruchtknoten inder Mitte der Blumenröhre aufsteigende Griffelist fadenförmig, ein Avenig dreieckig und längerals die Staubfäden; die Narbe kopfförmig, drei-kantig. Der Fruchtknoten unter der Blumenkroneist länglicht und nach beiden Enden zu verdünnt,die sich daraus bildende Kapsel behält dieselbeForm bei, wird vollkommen dreikantig, inwendigdreiklappig und dreifächerig, wovon jedes Fach ei-ne grofse Menge platte an den Seiten angehefteteSaamen enthält. Alle Theile der Blume sind sehrfleischig.
Die Pflanze, wovon wir hier die Beschreibungund Abbildung liefern hat im Sommer 1821 in denGewächshäusern Sr. Durchlaucht des Fürsten vonSalm-Dyck auf dem Schlofse Dyck geblühet. Siewar etwa 20 Jahr alt. Gegen das Ende des Mo-nats Mai entfalteten sich die mittleren Herzblätterund der Blumenschaft trieb jetzt, am besten mit derForm eines riesenmäfsigen Spargelstengels zu ver-gleichen, mit solcher Kraft empor; dafs er in derMitte Septembers eine Höhe von 28 Fufs erreichthatte. Man hat beobachtet, dafs er in la Stundeneinmal 9 Zoll gewachsen war, zur Nachtzeit aberimmer stärker als bei Tage. In demselben Maafse,wie der Stengel emporfchofs, nahmen die Blätterab, so dafs zuletzt ihre ganze vegetative Kraft injenen überging, und sie trocken und lederartig zu-sammen schrumpften, wodurch das Ende der Pflan-ze herbeigerührt wurde. Mit der Blüthe hört alsoallemal das Leben der Pflanze auf. Das untersteEnde hielt über 4 Zoll im Durchmesser und ver-jüngte sich allmählich bis auf die äufserste Spitze^die 1 Zoll stark war. Bei einer Höhe von 17 Fufsbildete sich der erste Seitenast und so abwechselndrund um den Hauptstamm herum i5 andere, nachoben zu sich immer verkleinernd; die untersten stan-den ein wenig gebogen gajiz horizontal vom Stam-me ab, wie die Arme eines Kandelabers, und tru-gen an ihren Enden die oben beschriebenen Blu-men in unbestimmter Anzahl, doch aber last im-mer in drei Hauptbüschel vertheilt. Vor der voll-kommenen Blüthenentwickelungf abordirten einijreeinzelne Knospen und fielen ab, die ganze Anzahlder vollkommen gebildeten Blumen belief sich aufi5oo. In den Boden einer jeden Blumenkrone bil-dete sich eine Menge Honigsaft, der bei der Be-rührung des Stammes wie ein Regen herabfiel, und«ine Menge Insekten herbeilockte; wenn er aber ei-
nige Zeit an der Luft sich zersetzt hatte, einen höchstwiderlichen und fast aasähnlichen Geruch annahm.Da, wo diese Pflanze im freien Lande steht,blüht sie in wenigen Iah reu, bei uns in Gefäfsengezogen, erfordert sie eine weit längere Zeit, zu-weilen ein halbes Jahrhundert, was ihr denn auchwohl den Namen der hundertjährigen Aloe gege-ben hat. Man hat von ihr mehrere Abarten mitgelbgestreiften Blättern, die in den Gärten eine schö-ne Zierde bilden.
Als offizineile Theile benutzte man die Wurzel,(Magewurzel), die oben sehr dick unten aber mitvielen fadenförmigen langen Wurzelfasern umgebenist. Diese Fasern haben zwei Häute, die äussereist sehr zart von gräulicher Farbe, und die inneredick, fast violetfarbig. Ihr Geschmack ist nicht un-angenehm. Ferner benutzt man den ans den Blu-men tröpfelnden Houigsaft, und den Saft aus denBlättern. Die Agave enthält keinen bittern Saft.
Die Amerikaner ziehen von dieser Pflanze inihrer Haushaltung grofsen Nutzen. Das Mark derfrischen Blätter dient ihnen gekocht zur Speise;auch vergraben sie die Blätter eine Zeit lang in dieErde, wodurch sie nach 0 s b e c k einen Melonen-Geschmack bekommen sollen.
Aus dem Safte der Wurzel ziehen sie einenSaft, der durch Einkochen einen Syrop oder Zu-cker giebt, oder aus dein sie durch Gährung einenstark berauschenden Wein und guten Essig zu be-reiten wissen. Der Saft aus dem Schafte kann eben-falls dazu angewendet werden.
Die Blätter dienen zum Dachdecken, die lan-gen Stacheln an den Spitzen derselben gebrauchendie Jndier zu Pfeilen, Nägeln und Nadeln,
Die Fasern der Blätter und des Stengels wer-den wie Flachs behandelt, und daraus in Amerikaund den Ländern des südlichen Europa allerlei Tau-werk, Strümpfe, Teppiche, Handschuhe, Tücher,Zwirn, und selbst feine Blonden verfertigt. Vor-züglich Avird auf der Insel Elba ein glänzenderZAvirn daraus gemacht, den die Italiäner Zapparanennen.
In der Gegend von Malaga, wo das Brennholzmangelt, sammelt man die BlumenschÜfte zu diesemZAveck, und gehraucht sie auch beim Bauen zu Spar-ren und kleinern Balken,
Erklärung der Platte.
Tafel. Nro.
«. l. Die ganze Pflanze im 2omal verjüngten Maafs-stab.
2. Die Spitze eines Blattes.
3. Die Wurzel einer Jüngern Pflanze.ß. 1. Einzelner Blüthenast.
3. Eine geöffnete Blumenkrone abgeschnitten.
3. Der untere Theil der vorigen.
4. Eine noch unreife Frucht queer durchschnitten.
5. Dieselbe der Länge nach durchschnitten.