Dieser Baum, welcher über 100 Jahre alt wirdund sich zu einer Höhe von wenigstens 60 Fufs er-hebt, soll ursprünglich in den gemäfsigtern Gegen-den Asiens zu Hause seyn; und wir finden in Eu-ropa, in defsen gröfstem Theile er heut zu Tageeinheimisch gewordeu, keinen Baum, der mit ihmbesonders zur Zeit der Blüthe verglichen werdenkönnte. Seine zahlreichen, schönen, auf weifsemGrunde rosenfarbig und gelb gefleckten Blumen,die sich an den bpitzen der Zweige in grofsen, auf-rechten , pyramidenförmigen Trauben aus der aus-gebreiteten , buschigen, schattenreichen Krone er-heben, gewähren einen sehr angt nehmen Anblick.Man findet ihn jetzt sehr häufig in mehreren Län-dern , und fast durch ganz Deutschland an Wegen,in Gär;en und Dörfern oft zu Alleen angepflanzt.
Der Stamm ist dick und gerade; das Holz zart,weifs und faserig, und die Rinde der altern Stämmeaufgerifsen; der Jüngern und der Aste glatt undweifslich aschgrau.
Die entgegengesetzten, langgestielten Blätter sindgefingert und bestehen aus fünf oder sieben glatten,lanzettförmigen , zugespitzten und gesägten Blättchen.
An den Blumentrauben sind die obern Blumenmännliche und die untern Zwitterblüthen.
Der einblättrige Kelch ist klein, bauchig, offenund fünf/.ahnig. Die Krone fünfblättrig, etwas of-fen und ungleich gefärbt. Die Blumenblätter sindfein gewimpert und mit schmalen Nägeln von derLänge des Kelchs versehen, und in demselben ein-gefügt Die Mündung der Krone ist rundlich, etwasAvellenförmig. Die sieben pfriemenförmigen Staub-fäden sind abwärts gebogen, wenigstens von derLänge der Krone und stehen im Blumenboden. DieStaubbeutel sind aufsteigend, zwey fächerig und vonorange-gelber Farbe. Der rundliche Fruchtknotensitzt oben und ist wollig; der Griffel pfriemenför-mig, gekrümmt und mit lang zugespitzter Narbeversehen.
Die Frucht besteht in einer dicht mit Stachelnbesetzten, anfangs grünen, dann grün-braunen, le-derartigen, rundlichen, dreyfächerigen und dreiklap-pigen, ein oder mehrsaamigen Kapsel. Die Saamen
sind rundlich, mit einer breiten Narbe bezeichnet,und mit einer lederartigen Haut bedeckt.
Die gemeine Rofskastanie blüht im Mai undJuni. Die Früchte reifen im September und Octo-ber. Sie wird am sichersten aus Saamen gezogen,wächst sehr schnell, kommt meist in jedem Bodenfort, und bedarf fast gar keiner Wartung.
Die Rinde (Cortex hippocastani), Rofskastani-enrinde ist offizinell. Man sammelt sie im Frühjahrweder von zu alten, noch von zu jungen Ästen undreinigt sie von dem noch anhängenden Splinte. Sieist leicht, zähe, auswendig mit einer rothbraunen,hin und wieder mit zarten Flechten besetzten Ober-haut bekleidet, wodurch sie ein der Chinarinde ähn-liches Ansehen bekommt; inwendig ist sie weifsgelboder bräunlich. Ihr Geschmack ist bitter und sehrzusammenziehend; und ihr Geruch angenehm undbesonders bemerkbar, wenn sie gekocht wird. Derwäfserige Absud erscheint, so lange er warm ist,gelbbraun, erkaltet aber blässer, und trübe. Diesersowohl, als der ge st ige Auszug und die Auflösungdes Extracts, changirt mit vielem Wasser verdünnt,und gegen einen dunkeln Körper gehalten oder vonoben herab besehen, himmelblau.
Abbildungen :
Flor. d. dict. d. scienc. med. livr. 59. pl. 22 j.
l'lenk icon. pl. med. 293.
Schkuhr. bot. Handb. t. io4-
Oelhafen Abbild, t. 3; — 3g.
Cr am er Forstwesen, t. 23.
Schmidt östr. Baumz. t. 38,
Miller illustr. ic. regn. bot. t. 4*7»
Erklärung der Platte.Tafel. Nro.
1. Die Blüthe.
2. Ein Blatt.
3. Ein Kelch mit Staubgefäfsen.
4. Ein einzelnes Blumenblatt,
5. Die Kapsel.
6. Der Saame,