Der weifse Mistel ist einSchmarotzerstrauch,welcher fast durch ganz Deutschland, überhaupt inganz Europa angetroffen ■wird. Er Machst häufigauf den Stämmen und Aesten vieler Wald - undObstbäume, z. B. Birken, Weiden, Linden, Roth-buchen, Haselsträuchen, Eichen, vorzüglich auf al-ten Aepfel- und Birnenbäumen, deren Saft er aus-saugt uud sich davon ernährt.
Die grünlich - gelben Stengel sind holzig,aufrecht, von der Dicke eines kleinen Fingers, einbis zwey Fufs hoch, und in zahlreiche, auseinan-dergesperrte , gabelförmig - gegenüberstehende, run-de, etwas rauhe, gegliederte, oft zu zwey, dreyund vier aus einem Punkt entspringende und nachallen Seiten ausgebreitete Aeste getheilt. Die ge-genüberstehenden, immergrünen Blätter sind stiel-los, aufrecht, abstehend, steif, etwas dick, leder-artig, lanzettförmig, stumpf, ganz ungetheilt, amGrunde etAvas schmäler, auf beyden Seiten glatt»mit drey oder fünf schwachen Nerven durchzogenund von grüngelblicher Farbe.
Die B1 ü t h e n stehen an den Spitzen und inden Theilungswinkeln der Stengel und der Aeste zuzwey oder drey zusammen in fast viereckiger Blu-menhülle, sind stiellos und grünlichgelb.
Die männlichen B1 ü t h e n haben einen ein-blättrigen Kelch mit vier gleichen, eyförmigenEinschnitten, keine Blumenkrone, und vier faden-lose, ejförmige, längliche, zugespitzte, an denKelcheinschnitten angewachsene Staubbeutel.
Bey den weiblichen Blüthen ist derKelch vierblättrig. Die Blättchen sind klein, ey-formig, aufsitzend, abfallend und auf dem Frucht-knoten angeAvachsen. Die Blumenkrone fehlt. Derunten befindliche Fruchtknoten ist rundlich,dreyeckig, mit undeutlichem, vierspaltigem Rande,ohne Griffel und mit einer kopfförmigen, stumpfen,aufsitzenden Narbe versehen.
Die Frucht ist eine kugelrunde, glatte, wei-fse, fast durchsichtige, einfächerige, einen herzför-migen, zusammengedrückten, stumpfen Saamenkerneinhaltende und mit einem schleimig-klebrigen Saf-te angefüllte Beere.
Die Blüthezeit des weifsen Misteis ist Februarbis April, die der Fruchtreife October bis Decem-ber. Die Fortpflanzung dieses Strauchs soll vor-züglich durch Vögel, welche die Beere verzehren,besonders durch die Schnarrdrossel (Turdus visci-vorus) geschehen. Mit dem Kothe bleiben die un-verdauten Kerne am Baume kleben und schlagen
dann Wurzeln. Die Kerne kann man auf Steinen,Holz, selbst auf der Erde blos zum Keimen brin-gen , denn nur auf Bäumen wurzeln und wachsensie fort. Sobald der Kern zu keimen anfängt, treibter zwey bis drey Würzelchen, die sich in einenrunden Körper endigen. Nach und nach verlängernsie sich, und nachdem sie die Rinde erreicht ha-ben, öffnen sich die runden Körper, Ihre Mündungstellt dann die Form eines Trichters dar, dessen in-nere Fläche mit einer klebrigen, körnigen Substanzbedeckt ist. Aus dem Mittelpunkt und den Rän-dern dieser Mündung entstehen nun kleine Wur-zeln, die nicht nur in die Rinde, sondern selbstins Holz der Bäume eindringen.
Die Stengel und Zweige des weifsen Misteis,Eichenmisteis, mit der Binde und den Blättern,(Viscum quernumseu quercinum seu lignum visci) sindofficinell. Im frischen Zustande haben sie einen ekel-haften, harzigen Geruch und etwas zusammenzie-henden Geschmack, Durch das Trocken vergehtder Geruch, und der Geschmack wird bitterlich, et-was zusammenziehend. Man sammelt den Mistel,dessen frische Rinde, vorzüglich aber die Beeren,eine grofse Menge Leim enthalten und daher zurBereitung des Vogelleims (viscus aucuparius) die-nen, im December, und hebt das gleich nach demTrocknen davon zu bereitende Pulver in fest ver-stopften Gläsern auf.
Der an den Eichbäumen wachsende Mistel istvon jeher zum Arzneygebrauche vorgezogen worden.
Abbildungen.
Flor, du dict. d. sc. med. livr. 5o. pl. igo.Du Hame 1 edit. nov. Michel. 1. aü.Seh kuhr t. 320.Sturm Deutschl. fl. I. 8.Miller illust. icon.Black well herb. t. 184.
Erklärung der Platte,
l.
2.3.
4.5.6.
Taf. No.Ein ganzer fruchttragender Zweig.Eine Knospe für männliche oder weibliche Blume.Der männliche Kelch etwas vergröfsert mit den
sitzenden Antheren.Querdurchschnitt dieses Kelchs,Ein einzelnes Blättchen des Kelchs vergröfsert.Der weihliche Kelch, etwas vergröfsert, mit den
Fruchtknoten.Eine durchschnittene Beere mit dem einzelnen
Saamenkorne.