Der Katzengamander, welcher ursprünglich inSyrien, Aegypten, Candia, Griechenland, Spanien,besonders in Valencia, auch in Frankreich wächst,ist eine aufrechte, ästige, buschige Staude, die in je-nen warmen Ländern drey bis vier Fufs hoch wird,in andern europäischen Ländern hingegen, wo siein Gärten oder Töpfen gezogen wird, kaum dieHöhe eines Fufses erreicht. Sie dauert in Deutsch-land nur bey gelinden Wintern im Freyen aus, be-hält die Blätter beständig, und blüht im Juniund Juli.
Die Wurzel ist holzig undzaserig; der Sten-gel strauchartig, dünn, aufrecht, hart, etwas steif,sehr ästig und fein weifsfilzig.
Die Blätter sind sehr klein, gestielt, gegen-überstehend, eyrund-zugespitzt, ganz randig, am Ran-de etwas zurückgerollt, auf der Oberfläche lebhaftgrün, und auf der Unterfläche so wie auch die Blatt-stiele und Aestchen, mit einem weifsen Filz überzogen.
Die hellrothen kleinen Blumen wachsen in ein-seitigen Trauben an den Enden der Ästchen undZweige. Der bleibende einblättrige Kelch ist zot-tig röhrig, halb fünfspaltig, am Grunde höckerig.Die Einschnitte desselben sind ziemlich gleich undspitzig.
Die Blumenkrone ist einblättrig und rachen-förmig. Die kurze, walzenförmige Röhre endigtsich in einen gekrümmten Rachen. Die aufrechte,spitzige Oberlippe ist tief in zwey auseinander ge-sperrte Einschnitte getheilt. Die Unterlippe ist ab-stehend und dreispaltig, mit sehr grofsen , rundli-chen vertieften Mittellappen und etwas aufrecht ste-henden, der Oberlippe ähnlichen Seitenlappen.Die vier Staubfäden, wovon zwey länger undzwey kürzer, sind pfriemenförmig, ragen vor derOberlippe der Krone, zwischen deren Einschnitten
sie aufsteigen, hervor, und haben kleine Staub-beutel, Der viertheilige Fruchtknoten ist miteinem fadenförmigen Griffel, welcher so lang istals die Staubfäden und sich in twey dünne Nar-ben endigt, .versehen. Im Grunde des unveränder-lichen Kelchs befinden sich vier rundliche Saamen.
Das Kraut mit den Blumen (Amberkraut, Mas-tixkraut, herba Mari veri) ist offizinell.
Man sammelt das Kraut mit den Blumen ein.Die ganze Pflanze hat einen brennend und scharfgewürzhaften, bitterlichen Geschmack, und durch-dringenden, vermischt mastix- und campherartigenGeruch. Das Kraut mufs in einem dicht verschlof-senen Glase aufbewahrt werden.
Der Geruch dieser Pflanze ist den Katzen soangenehm, dafs sie dieselbe in Gärten nirgends ru-hig stehen lassen.
Abbildungen.
Du Hamel. edit. Michel, tom VI. tab. ,\\.Plenk. Jcon. plant, medic. 4/4»Blackwell. Herb. t. 47.Regnault. bot. t. 164.Kniphof. Cent. 3. n. 9.3.Ludwig. Ectyp. t. 14.Sabbati. Hort. Rom. 3. t. 90.Rivin. Monop. t. 23.
Erklärung der Platte.
Taf. No.
1. Ein blühender Zweig.
2. Eine einzelne Blumenkrone ohne Kelch , nnd
der Länge nach geöffnet.
3. Ein Kelch mit dem Griffel in der Mitte.
4. Derselbe der Länge nach geöffnet.