Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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Der Sumpfporst, ein kleiner Strauch, wächst inmehrern Gegenden Deutschlands und in andern Län-dern des nördlichen Europa, auch in Asien undAmerika in sumpfigen Orten zwischen Fichten undKitfern in torfmoorigen, nassen Brüchen und insumpfigen Gebüschen»

Der Stengel ist strauchartig, sestig und erreichteine Höhe von zwey bis vier Fufs und drüber. DieRinde des Stengels ist aschfarbig; die der Zweigebraunroth und etwas wollig.

Die zerstreuten, kurzgestielten immergrünenBlätter sind ziemlich hart, fest, Linieuförmig, stumpf,eine Linie breit, einen Zoll, auch drüber lans, amRande zurückgerollt, oben dunkelgrün und glatt,den Rosmarin-Blättern ähnlich und unten braunfilzig.Die weifsen, bisweilen röthlichen Blumen bil-den an den Enden der Zweige Doldentrauben undsind vor der Blüthe hängend.

Der einblättrige, sehr kleine Kelch ist fünf-spaltig. Die Blumenkrone einblättrig, flach undfünftheilig. Die zehn fadenförmigen, ausgebreitetenStaubfäden, mit länglichen Staubbeuteln, sindänger alsdießlumenkrone, und stehen amFrucht-lknoten, der oberhalb befindlich, rundlich und mitfadenförmigem Griffel von der Länge der Staub-fäden versehen ist. Die Narbe ist stumpf.

Die Frucht besteht in einer rundlichen fünffä-cherichen Saamenkapsel die am Grunde fünffachaufspringt und viele kleine, längliche, schmale, anbeyden Enden spitzige Saamen enthält.

Der Porst blüht im Mai bis Juli. Er liebt ei-nen sumpfigen Boden und kann in Gärten nur inSumpfgräben gezogen werden.

Die Blätter mit denBlüthen (herba s.FoliaLedi palustris cum Floribus s. rosmarini sylvestriss. Anthos sylvestris, Porst, Post, Postblätter oder wil-der Rosmarin) sind offizinell.

Sie werden im Juni eingesammelt und besitzenim frischen Zustande einen bittern zusammen-ziehenden Geschmack und einen sehr starken ter-pentinartigen, den Kopf einnehmenden, Geruch.

Man verwechselt diese Blätter mit den Blätternder poleyblättrigen Andromeda (Andromeda polifo-lia,) die aber geruchlos, auf der Unterfläche nichtmit rostfarbiger Wolle überzogen, sondern aui bey-den Seiten glatt, unten bläulich weifs, geädert undlanzettförmig zugespitzt sind. Auch sollen zuweilendie kleinen, länglich - eyförmigen, am Rande etwasgezahnten Blätter der brabantischen Myrthe (Miiic;tGale L.) so wie auch die Blätter des Immergrün-amsels (Polygala chamaebuxus L.) welche eyrund,oben spitzig zulaufend und mit einer in dünne Fa-den sich endigenden Rippe bezeichnet sind, dafüreingesammelt werden,

Abbildungen.

Plenk Icon. plant, med. 33j.

Reiter und Abel. Abbild, tab. 83.

Du Hamel. Arb. vol. 1 pag. 168 tab. 6y.

Job. Bauh. Hist. 2 p. 23.

Dalechamp. Hist. 1 pag. 96.

Clusius. Hist. 1 pag. 83.

Lobelii leon. 2 pag. 124.

Erklärung der Platte.

Taf. No.

1. Ein Zweig mit Blüthen.

2. Der Fruchtknoten mit den zehn Staubfäden und

fadenförmigeu Griffel.

3. Die Saamenkapsel.

4. Dieselbe an der Basis in 3 Theile aufgesprungen

und vergröfsert.

5. Ein Stück eines Blattes vergröfsert.