Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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Dieses herrliche Gras ist ursprünglich SB denUfern des EophratS und in Oslindien einheimisch,wird aber seit langer Zeit schon in bevden Indienin grosser Menge cullivirt.

Die perennirende faserige Wurzel bildet dichtverschlungene Rasen, aus den sich mehrere starke,runde, knotige Halme erheben. Die Dicke dersel-ben beträgt einen bis zwey Zoll im Durchmesser,ihre Höhe acht, zehen bis zwölf Fuss, je nachdemder Boden, in dem sie gepflanzt werden, günstigeroder ungünstiger für sie ist. Diese Halme sind miteinem lockeren, zelligen, saftigen Mark erfüllt undmit einer dichten, festen, glatten und glänzendenEpidermis bedeckt, auf der sich in der Jugend einweisser Reif findet, der im Alter verschwindet. DieFarbe ist in den verschiedenen Spielarten verschie-den, bald grün, bald gelb oder violett, oder gelbund violett gestreift.

Die Blätter die mit ihrer Basis den Halm schei-denartig umfassen und an der Mündung der Scheidemehr oder minder behaart sind, stehen zweyreihig(folia disticha) und werden vier bis fünf Fuss lang;sie sind flach, glatt, am Rande fein aber sehr scharfgezahnt und mit einer breiten, weissen, auf demRücken gewölbten Mittelrippe durchzogen.

Die Blüthen bilden eine sehr grosse, ästige,ausgebreitete pyramidalische, aus unzähligen klei-nen Blüthen bestehende Rispe, die sich aus derSpitze des Halms, auf einen nackten, glatten, ohn-gefähr fünf Fuss hohen Büthenstiel erhebt. DieBlüthchen sind alle hermaphroditisch und paarweiseso zusammen geordnet, dafs das eine sitzend, dasandere gestielt ist. Der Kelch besteht aus zweygrannenlosen Spelzen, die mit sehr langen weissenHaaren bekleidet sind. Die Blumenkrone ist auseiner einzigen Spelze gebildet. Die Staubbeutelsind gelb. Der eyfönnige Fruchtknoten trägt zweygefiederte, purpurfarbige Narben. Die Frucht istklein, oval, an beyden Enden zugespitzt und von1 der Kronspelze bekleidet. (Caryopsis tunicata).

An dem untern Theil des Halms fallen dieBlätter bald ab; dann erscheinen hier an den Ge-lenken Knospen, die von der Anlage zur Veräste-lung zeigen. Dieser nackte, untere Theil des Zuk-kerrohrs ist es zugleich, in dem sich der Zucker-stoff vorzugsweise ausbildet. (Flor, des Anlil.)

Aus diesen Halmen wird durch Auspressen undAbdampfen in Indien der Rohzucker (Cassonade)bereitet, aus dem man in Europa, in den Zucker-raflinerien durch wiederholtes Auflösen und Reini-gen theils die verschiedenen Sorten des weissenZuckers, theils durch Kristallisation den Kan-diszucker verfertigt. Für den medizinischen Ge-brauch eignet sich nur ein rein-weisser, hinläng-lich fester und trockner Zucker.

Anmerkung. Vor Kurzem zog in Frankreicheine durch ihre etwas bläuliche Farbe ausge-zeichnete Zuckersorte die Aufmerksamkeit derAerzte auf sich, und es ergab sich, bey derdamit vorgenommenen Untersuchung, dafs die-sem Zucker blaue Schmälte (Kobolt) zugesetztwar, wodurch mehrere übele Zufälle entstan-

den waren.

(N. v. E.)

Abbildungen.

Plenk. Jcon. pl. officin. tab. 4o.

De Tussac. Fl. des Antill. I. tab. 23.

Trattinik. Tahular. t. 3gcj.

Sloane. Hist. pl. jamaic. I. tab. 66.

Rumph. Fl. Amboin. V. tab. 74. f. 1.

Erklärung der drey hierhergehörigen Tafeln.

A. Die ganze Pflanze, in verkleinertem Maasstabe.

(nach der Flore des Antilles)

B. 1. Ein Theil der Blüthenrispe in natürlicher

Grösse.

2. Ein Aestchen derselben, um die Stellung der

Aehrchen zu zeigen.

3. Ein Aehrchen vergrössert.

4. Die Kelchspelzen.

5. Die Kronspelze mit dem Fruchtknoten und

den Narben.

6. Der obere Theil der Pflanze mit den Blätternin natürlicher Grösse.

C. Vier durch die Farbe des Halms verschiedene

Spielarten des Zuckerrohrs.