Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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krümmt. Die Substanz der Flechte ist trocken, leder-artig, biegsam; ihre Farbe ist ein gelbliches Grau,welches in andern Exemplaren in dunkelbraun über-geht. Die Flechte ist häufig mit runden, staubi-gen, weifsen Keimhäufchen (soredia) bedeckt, diesich zuweilen so erheben, dafs sie wie gestielt er-scheinen.

Die Apothecien, die seltener gefunden werden,treten als runde, etwas gewölbte, Warzen an derSeite der Aeste hervor. In der Jugend sind sievom Thallus bedeckt, der später als eine blaulich-graue Decke erscheint; im Alter sind sie mehr ge-wölbt, schwarz und von einem blofsen Rand, vomThallus gebildet, umgeben. Das Innere dieser Apo-thecien besteht aus einer dichten körnigen Massevon schwarzer Farbe, ohne eine besondere Hülle(perithecium) aus der sich längliche, etwas gebo-gene und geringelte, durchsichtige Sporen abson-dern, die bei den ganz hervorgetretenen, schwar-zen und entblöfsten Apothecien nicht mehr gefun-den werden.

Unsere Exemplare stimmen besonders gut mitder von Persoon beschriebenen R. dichotoma über-ein, die Acharius für eine Spielart der R. tinetoriahält.

Die Flechte wird besonders auf den Canari-schen Inseln in so grofser Menge gesammelt, dafsnach einer im Jahre 1731 angestellten Berechnungdie jährliche Ausfuhr 2600 Centner betrug. DerFarbestoff der Flechte soll ursprünglich roth seyn,und durch Gährung und Behandeln mit alkalischenStoffen in den Holländischen Lakmusfabriken in dieblaue umgeändert werden. Für die Pharmacieist der Lakmus (Lacca coerulea) nur als Reagenasauf Säuren wichtig, die die blaue Farbe in die ro-the verwandeln.

An merk. Wenn die Flechte mit Wasser dige-rirt wird, so entsteht eine farblose Flüssigkeit,die erst, nach Zusatz von kohlens urem Kalioder kaustischem Ammonium durch gelb indunkelroth (Orseille) übergeht. Säuren verwan-deln diese rothe Farbe in gelb; durch Alkalienwird die rothe Farbe wieder hergestellt. Mankann also nicht sagen, dafs die Flechte einenrothen Farbestoff enthält, sondern dafs er inihr durch Alkalien erzeugt wird. Wiedie rothe Farbe in die blaue des Lakmus ver-ändert wird, ist noch nicht hinlänglich bekannt.Es scheint mir aber hierbei interessant, dafs derin blau übergegangene rothe Farbestoff durchSäuren roth wird, aber nicht mehr zur gelbenFarbe, wie früher, zurückgeht.

(N. v. E.)

Abbildungen.Dillen. Hist. Muscor. tab. 17. Fig. 3g.

Erklärung der Tafel.

1. Die Flechte mit Apothecien.

2. Dieselbe mit Häufchen von Keimpulver (Soredia).

3. Ein Ast mit gestielten Soredien.

4. Ein Stückchen eines Astes, mit einem noch ein-

gesenkten Apothecium.

5. Ein anderes mit drei mehr entwickelten Apo-

thecien.

6. Ein Apothecium, im Durchschnitt.

7. Die Sporen.

(Die Figuren von 4 - 7 sind sehr stark vergröfsert,wie aus der Vergleichung mit den vorherge-henden erhellt.)