Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Der gemeine Wunderbaum, welcher in seinemVaterlande, den beyden Jndien und Afrika und indein südlichen Europa eine Höhe von 20 bis 3o Fufserreicht, ist, in unsern Gärten gezogen, nur eineeinjährige Pflanze 6 bis 8 Fufs hoch, die aber ih-rer prachvollen Haltung und schönen Form undder Gröfse ihrer Blätter wegen fehr beliebt ist.

Ihre Wurzel ist faserig und in wenige Nebenästeausgebreitet.

Der Stengel ist krautartig, fast rund, glatt, hohl,weifsgrünlich oder roth mit bläulichtem oder eisen-grauem Staube bedeckt und hat wenige abstehendeAeste.

Die Blätter stehen abwechselnd, sind langgestielt,schildförmig, bandförmig zertheilt, (woher der Na-me Palma Christi,) gesägt, auf beyden Seiten glatt,oben glänzend, unten matt grün, und jung, braun-roth. Die cvlindrischen langen Blattstiele sind anihrem oberu Theile drüsig.

Die Blumenkrone fehlt. Die Blüthen bildenan den Spitzen derStengel grofse, schöne, fast eyför-mige Rispen. Oben sitzen die weiblichen, unten diemännlichen Blüthen, deren einblättriger Kelch mitfünf eyförmigen vertieften Einschnitten eine Mengefadenförmiger, unten astiger, verwachsener Staub-fäden enthält. Die Staubbeutel sind gelb, zwey-knöpfig und rundlich. Der Kelch der weiblichenBlüthen ist einblättrig, abfallend, und hat drey ver-tiefte eyförmige Einschnitte. Der Fruchknoten sitztoben, ist eyförmig, mit schuppigen pfriemenförmi-gen Körperchen bedeckt, und trägt drey zweytheili-ge aufrecht - abstehende borstige rqthe Griffel miteinfachen Narben.

Die Kapsel ist rund, stachlig, dreyfurchig, hatdrey Fächer, drey Klappen, und enthält in jedemFache einen länglichen, etwas zusammengedrücktenSaamen.

Sie blüht im Julius und August, auch wohl spä-ter, und nur im günstigen Sommer werden die Saa-men bey uns reif.

Ehedem waren die Saamen unter dem NamenPurgierkörner, Brechkörner, Treibköner, (SemenCataputise majoris s. Ricini vulgaris) oflizinell. Siesind länglich eyförmig, auf beyden Seiten platt, vonder Gröfse einer Zuckerbohne, und enthalten untereiner dünnen, glänzenden, zerbrechlichen, grau undschwärzlich-marmorirten, mit einer hervorstehendengelblichen Narbe versehenen, brennend scharf undbitterschmeckenden Schale einen weifsen, öligen,zunächst mit einem weifsen, geschmacklosen Häut-chen umgebenen zweytheiligen Kern. Die Schaleenthält einen scharfen, harzigen, drastisch wirken-den Stoff, von dem der Keim des übrigens geruch-losen, Avildschmeckenden Kerns auch nicht frey ist.

Durch gelinde Auspressung des vorher von deräufsern Schale ganz befreyten und gequetschten Saa-mens wird das als Arzneimittel gebräuchliche, ziem-lich dickflüssige, etwas zähe, wcifse, fast geruchlo-se, eigen süfslich schmeckende Ricienöl (oleum se-minis Ricini) gewonnen.

Abbildungen:

Rumphius amb. 4» t. 4 1 »

Zorn ic. pl. t. i3i.

Blackwell herb. t. i48. f. i.

La Mark ill gen. t. 792.

Fl. du dict. des sc. med. livr. 77 pl. 298.

Plenk ic. pl. med. t. (3go.

Erklärung der Platte.Taf. No.

1. Ein blühender Z^eig.

2. Ein grofses Blatt.

3. Ein Büschel Staubfäden etwas vergröfsert.

4. Staubbeutel 8 mal vergröfsert.

5. quer durchschnittener Staubbeutel 8 mal ver-

gröfsert.

6. Weibliche Blüthe in natürlicher Gröfse.

7. quer durchschnittene Frucht.

8. Dieselbe senkrecht durchschnitten,g. Ein Saamenkorn.