Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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In Italien, Spanien und Frankreich, überhauptin den südlichen Gegenden Europas und an meh-reren Orten in der Schweiz wächst der gemeine La-vendel, ein niedriger Strauch, der auch unser Kli^ma, oft die härtesten Winter verträgt und seinesguten Geruchs wegen häufig in unsern Gärten an-gezogen wird.

Die Wurzel desselben ist holzig und zaserig.Die viereckigen, braunen, glatten Stengel theilensich in viele aufrechte Zweige und erreichen eineHohe von ein bis zwey Fufs und drüber.

Die gegenüberstehenden, weifslich-grünen Blät-ter sind stiellos, lanzettförmig-gleichbreit, stumpfzugespitzt, ganz ungetheilt, an den Rändern etwasumgerollt und an ihrem Grunde schmäler.

Die hellblauen, zuweilen weifsen oder fleisch-farbigen Blüthen, bilden eine längliche, nackte,einfache oder wenig ästige Aehre an den Endender Stengel und stehen in unregelmäfsigen, unter-brochenen, mit linienförmigen Deckblättchenversehenen Quirlen.

Der bleibende, einblättrige Kelch ist eyför-mig, kurz, grünlich, sehr gestreift und etwas rauh.Der obere Rand ist ganz, der untere schwach ge-zahnt.

Die einblättrige Blumenkrone ist rachen-

;; die Röhre walzenförmig und länger als derReich; die Mündung offen; die Oberlippe grofs,flach, breit, abstehend und oben ausgeschnitten;die Unterlippe fast gleichförmig dreyspaltig. In derRöhre sind vier kurze Staub den, zwey länge-re und zwey kürzere enthalten, welche kleine Staub-beutel tragen. Der Fruchtknoten ist vierthei-lig; der Griffel fadenförmig, so lang als die Röh-re; die Narbe zweylappig, stumpf, und zusammen-geneigt. Im Kelche befinden sich vier umgekehrteyformige, nackte Sa amen.

Der gemeine Lavendel blüht im Juli und Au-gust. Man hat davon eine Varietät unter dem Na-men, der breitblättrige Lavendel (lavandula latifo-lia), die Willd. Ehr hart folgend, in der Enum.hört. Berol. p. 604. für eine eigene Art ausgiebt.Die Blätter sind breiter und die ßlumenähren grö-fser und lockerer als bey dem schmalblättrigen (an-gustifolia).

Das Kraut, vorzüglich die Blumen sind of-fizinell. Das Kraut wird oft mit den Blumen vordem völligen Aufblühen eingesammelt. t Sie besitzeneinen angenehmen gewürzhäften Geruch und heifs-bittern Geschmack. Die Spickblüthen (Flores spi-cae) kommen von der Varietät mit breiten, hell-grünen Blättern und riechen schwächer und weni-ger angenehm.

Das unter dem Namen, eau de lavande, be-kannte wohlriechende Wasser, Lavendelgeist (spiri-tus Lavandulae) wird durch Abziehen einer Quanti-tät Weingeistes mit Zusatz von nöthigem Wasserüber getrocknete Lavendelblumen erhalten.

Das aus den Lavendelblumen bereitete, ätheri-sche Oel, Lavendelblumenöl, (ol. flor. lavandula?)ist hell, sehr durchsichtig, weifs-gelblich, von ei-nem eigenthümlichen, angenehmen und starken La-vendelgeruch und scharfen, heifsen Geschmack.Das aus Frankreich und Italien zu uns gebrachtehat eine hellere Farbe, einen lieblichem Geruchund reinem Geschmack, als das bey uns aus La-vendelblumen destillirte Oel. Man verfälscht diefsOel häufig mit Weingeist, Terpentinöl oder auchwohl mit Spicköhl.

Abbildungen.Flor. d. dict. d. scienc. med. Ihr. 5(5. pl. 216.Plenk icon. pl. med. 4?^Du Hamel ed. Michel III. n. 4'2-Sabati hört. rom. t. 72.K n i p h, cent. 4- n « 3[).Camer, epit. 18. Pseutlo-hardus fcemina; et Pseu-

do-hardus qua? var. latifolia p. 17.Lobel. bist. 481.Dalechamp. hist. 1. p. 919. et L. mas qua? var.

latifolia p. 920.Tabern. 369. Lavandula alba.Riv. intr. 1. t. 54-

J. Bauh. hist. 3. p. 282. et var. latifolia p. 281.Moris. Oxon. Lavand. latifolia §. n. t. l.f. l.eta.Blackw. herb. t. 294. et var. latifolia t. 291.Erklärung der Platte.Taf. No.

1. Ein blühender Zweig.

2. Eine aufgeschnittene Blumenkrone.

3. und 4- Der aufgeschnittene Kelch.