Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

B e n e n n n n g e n.

Deutsch, Die Jalapenwiade. Die Jalappe.Franz. Le Jalap,

La Jalappa.

La Jalappa.

A Jalappa. Batata de purga.

The jala^> bindweed.

Jalappe.

ltal.

Span.

Port.

Engl.

Holl.

Diese ausdauernde Pflanze wächst wild im wär-mern Amerika, in Mexiko, den trocknen, sandigenGegenden von Vera-Cruz, besonders häufig beyXalapa; (eine Stadt, woher sie zuerst nach Europagebracht wurde) auch in Florida, Carolina und Ge-orgien.

Die fleischige, sehr dicke, oft 12, i5 bis 20und mehrere Pfund* schwere weifse Wurzel ist knol-lig, rübenförmig-rund oder spindelförmig, untenmit mehrern geraden, senkrechten, dicken Wurzel-zasern versehen; enthält einen milchigen, süfsenSaft, und treibt an ihrem obern Theile mehrerekrautartige Stengel, welche, die benachbarten Ge-genstände umwindend und kletternd, sich zu einerHöhe von zwölf bis zwanzig Fufs erheben. Sie sindetwas weniger dick als eine Gänsefeder, ästig, wal-zenförmig und scharf, die zartem Jüngern vonschwarz-röthlicher Farbe; die altern grün-aschgrau,fast vierseitig und hackerig.

Die gestielten, weichen, abwechselnden, 3 5Zoll langen, und fast eben so breiten Blätter sindsiebennervig, herzförmig - drey oder fünflappig,buchtig, zuweilen herzförmig-ganz ungetheilt; dieLappen lanzettförmig und stumpf. Die obere Flä-che ist runzlich; die untere weifsfilzig, mit etwasverdickten, vorstehenden Nerven, an deren Grunde,hin und wieder an der Spitze des Stiels, zwey matt-schwarze Absonderungs-Puncte bemerkt werden.Die Blattstiele sind unten rund, oben tief gefurcht,übrigens mit unschädlichen Dornen besetzt, hacke-rig und von zwey Zoll Länge.

Die Blumenstiele stehen einzeln in den Blatt-winkeln, sind ein, zwey oder mehrblüthig, einenbis zwey Zoll lang und rund; die Blumenstielchengegen einander überstehend.

An jeder Blume insbesondere bemerkt man: ei-nen bleibenden, eyförmigen, am Grunde mit fünfetwas abweichenden Drüsen umgebenen, aus fünfeyförmigen, angedrückten, am Bande braunen Blätt-chen bestehenden Kelch; eine einblättrige, glocken-förmige, weifse oder veilchenblau schattirte und ge-äderte Krone, von Handbreit Höhe und gleichemDurchmesser, mit etwas bauchiger, innen dunkel-violetlfarbiger Röhre und weifslichein , etwas gefal-tetem und gekerbtem, sehr ausgebreitetem Saume;fünf etwas ungleiche Staubfäden, wovon der erstean Gröfse dem Schlünde der Krone mehr gleichkommt; der zweyte weniger; der dritte weiter un-ten bleibt; die bey den übrigen noch kleiner; alleaber weifs, am Grunde mit purpurfarbigem Filzebekleidet, in der Röhre der Krone drey T Linienhoch vom Grunde befestigt sind, und weisse , gleiche,pfeilförmige Staubbeutel tragen; endlich einen obern,runden Fruchtknoten, welcher mit einem fadenför-migen, weifsen, anderthalb Zoll langen, in einekugelrunde, gespaltene Narbe sich endigenden Grif-fel versehen ist.

Die Frucht besteht in einer fast runden, vier-klappigen, einfächerigen, haselnufs-grofsen, vier-saamigen Kapsel. Die vier Saamen sind eyförmig-dreyseitig, braun-röthlich und zottig.

Die Wurzel (Badix Jalapae s. Gialapac, Jalap-penwurzel, Purgirwurzel) ist oftizineH. Wir erhal-ten sie aber nicht nur von der wildwachsendenPflanze allein, sondern sie wird auch in manchenGegenden Neuspaniens, bey Xalapa, Orizaba, Cor-doba etc. angebaut.

Die Zubereitung, welche die Spanier in Mexikoetc. ehe sie versendet wird, mit ihr vornehmen, be-steht einzig darin, dnfs, nachdem die Wurzel ge-

reinigt worden, sie dieselbe, je uach der Gröfseund dem Umfange, in Querstücke oder Viertel 7er-theilen, und der Länge nach spalten oder bey zugeringer Dicke blos einschneiden und alsdann imSchatten trocknen. Die im Handel vorkommendenWurzelstücke sind daher ungleich und verschiedengestaltet, bald ungetheilt, kurz, rundlich, eyförmigoder birnförmig, bald länglich oder in mehr oderweniger runde, i bis | Zoll dicke Scheiben zerschnit-ten. Aufsen sind sie runzlich, dunkelbraun oderschwärzlich; innen mehr oder weniger dunkelgrau,mit abwechselnd blässern, holzigen und schwärz-lichen, harzigen Adern und Strichen durchzogen,wovon jene mehr im Mittelpunkt, diese aufsen zahl-reicher sind. Einzeln sind sie von nicht sehr merk-lichem Gerüche; in Masse aber oder etwas erwärmtverbreiten sie einen eigenthümlichen, sehr widrigenGeruch. Der Geschmack ist zuerst ebenfalls wenigmerklich, dann aber unangenehm, ekelhaft, harzigund scharf. Die recht trocknen, dichten, schweren,nicht zerbrechlichen, unter dem Hammer oder imMörser leicht in glänzende, schwärzliche Stückchenzerspringenden und der vielenHarztheile wegen leichtentzündlichen, mit heller Flamme brennenden Stük-ke sind die besten, und geben fein gestofsen eingelb-bräunlich-graues Pulver,

Leichte, aufsen hellbraune, innen weifslicheoder blafsgraue, glanzlose, schwammige, leicht zer-brechliche und von Würmern sehr zerfressene Stük-ke sind zum Arzneygebrauche ganz undienlich.Die Würmer scheinen jedoch die harzigen Theile,besonders bey Wurzeln, wo diese nicht so innigmit den holzigen verbunden sind, zu verschonen;weshalb dann nicht selten etwas wurmstichige Stük-ke mehr Harz enthalten, und zum Ausziehen des-selben vortheilhaft angewendet werden können. NachTrommsdorf liefern 20 Pfund guter Jalappe ge-wöhnlich 32 bis 3(3 Unzen Harz.

Eine Verfälschung der ächten Jalappenwurzelmit Stücken der Zaunrübenwurzel (Bryonia alba L.)ist leicht zu erkennen, weil letztere, viel weifser,leichter und schwammig sind, einen sehr bitternGeschmack besitzen, und sich durch ihre Ringeund Strahlen im Innern auszeichnen. Auch sollenstatt der ächten Jalappenwurzel im Handel Wurzelnvorkommen, welchen vor dem Versenden aus Ge-winnsucht ein grofser Theil ihres Harzes mit Wein-geist entzogen worden. Ein solcher Betrug entdecktsich theils durch den Mangel an Streifen, und diefast ganz durchausgleiche, braune Farbe, theils beynäherer Untersuchung durch den ungewöhnlich ge-ringen Harzgehalt.

Abbildungen :

Flor du Dict. des Scienc. med. livr. 54- pl. 207.Plenk Jcon. pl. med. tab. (){.Woodwille media botan. n. 5. p. 5fj.La mark Jllustr. Gen. tab. io4- f. 2.Desfontaine Annal. du Museum. 11. tab. 4°- 4 1 »B o t a n i c a 1 Register, Tab. 342.

Erklärung der beyden Platten.

Nro.1 u. 2. Blühende Zweige mit ganzen und gelappten

Blättern.3. Die Wurzel in natürlicher Gröfse.4- Eine Blüthenknospe (Alabastrum).5. Eine geöffnete Blume in natürlicher Gröfse.G. Ein Pistill.

7. Eine Kapsel.

8. Dieselbe im Querdurchschnitt.

9. Der wollige Saame.

10. Derselbe ohne Haare.

11. Getrocknete Wurzeln.