Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Die Blüthen stehen auf kurzen weichhaarigenBlüthenstielchen in Trauben an der Spitze derZweige, und sind von schöner goldgelber Farbe.

Der Kelch ist walzenförmig, glatt und an derSpitze in fünf ungleiche spitze Zähnchen gespalten,die beiden längeren stehen auf der Seite derFahne, die drei kleineren sind ihnen entgegenge-setzt und öfters verwachsen; an der Basis derselbenstehen zwei kleine spitze dicht anliegende Deck-blättchen.

Der Kiel (carina) besteht aus zwei fast gleich-breiten stumpfen mit einander verwachsenen Blält-chen, die sich häufig bis zur Spitze spalten; diebeiden S e e g e 1 sind etwas kürzer als der Kiel, vonderselben Form und während der Blüthe mit die-sem abwärts gebogen; die Fahne (vexillum) istausgebreitet von eiförmigem Umrifs und stumpf,sie richtet sich gerade auf und ist von der Längedes Kiels.

Die Staubgefäfse sind in eine nach derFahne aufsteigende Säule verwachsen, die Staub-beutel sind vor der Befruchtung gelb, nachherbräunlich.

Der Fruchtkoten ist linienförmig, glatt,grün; der Griffel ist weifs, von der Länge derFahne und an der Spitze hackenförmig aufwärtsgebogen.

Die Hülse ist länglich zusammengedrückt, einfächrig, glatt, braun - schwarz und enthält mehrererundliche grünlich-gelbe Saamen.

Die Blüthen dieser Pflanze, die früher offi-zinell waren, sind später ganz aufser Gebrauch ge-kommen, bis dieser Ginster in der neuesten Zeitwieder einen besondern Ruf erhielt. Er soll näm-lich nach den vonMarochetti mitgetheiltenNach-richten in Rufsland als Aufgufs mit Erfolg gegen

die Wasserscheu angewendet werden, wobei es übri-gens noch nicht entschieden scheint, ob dem Gin-ster oder dem gleichzeitigen Ausbrennen der Wuth-bläschen dieser günstige Erfolg der Kur zuzuschrei-ben ist. (S. Verm. Abh. a. d. Geb. d, Heilk. Pe-terburg. I. Samml. Frorieps Notizen. B. 7.)Anm. Da die Pflanze in der zuerst genanntenAbhandlung Genista lutea tinctoria ge-nannt wird, so ist es allerdings wahrscheinlich,dafs die hier beschriebene Art gemeint sey,doch wird, wie wir hören, an mehrern OrtenDeutschlands das gemeinere Spartium sco-parium gesammelt. Für den offizinellenGebrauch würde man am zweckmäfsigsten S u m-mitates Genistae tinetoriae verordnen.

(N. v. E.)

Abbildungen,

Hayne Gelr. Darst. IX. n. n.Flor. Dan. tab. 526.

Erklärung der Tafel.

1. Die blühende Pflanze.

2. Der Kelch.

3. 4- Die Blüthe von der Seite.

5. Eine Blumenkrone, von vorn gesehen.

6. Dieselbe mit aufgerichteter Fahne, den Staubge-

fäfsen und dem Pistill.

7. Die beiden Blüthen des Kiels.

8. Dieselben ausgebreitet.

9. Der Kelch mit den verwachsenen Staubgefäfsenund dem Pistill, etwas vergröfsert.

10. Der Fruchtknoten mit dem GriffeL

11. Die Hülse.

12. Die eine Klappe derselben mit den Saamen.