Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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sie sind oval-länglich, stumpflich, anderthalb biszwei Zoll lang, acht bis zwölf Linien breit, amRande gesägt und auf beiden Seiten mit einem zart-anzufühlenden Haarüberzug bekleidet (mollissimevillosula); nicht selten sind die Ecken des Stengelsund die aut der untern Seite stark vortretendenNerven röthlich gefärbt.

Die Blüthen stehen in zwei bis drei genäher-ten vielblüthigen Quirlen an der Spitze der Aeste.

Die trichterförmigen Kelche sind mit vielenlangen Drüsenhaaren besetzt, an der Spitze in fünfgleiche Zähne mit weifsen dornigen Spitzen gespal-ten; zwischen ihnen stehen kleine lanzettförmigeDeckblättchen.

Die gelblich-weifse Blumenkrone ragt weitüber den Kelch hervor, ist ungefähr viermal so langals dieser; das Blumenrohr ist aufsen behaart,gegen den Schlund erweitert und auf der unternSeite gefaltet, die Oberlippe ist gewölbt, an derSpitze etwas gezähnelt; die grofse Unterlippe ist indrei stumpfe gekerbte Lappen getheilt, von denender mittlere gröfser, breiter und wellenförmig ge-bogen ist; sie sind am Rande weifs, am Grundeblafs-gelb; an der Basis des mittlem erheben sichzwei stumpfe bohle zahnformige Fortsätze, mit ei-nem kleinen violetten Flecken an der Seite.

Die Staubfäden trennen sich am Grunde derOberlippe von dem Blumenrohr, sind nach untenbreiter, weifs und glatt; die längern erreichen mitdem zweilippigen gelben Staubbeutel kaum dieLänge der Oberlippe.

Die vier Fruchtknoten sind stumpf, auf demRücken etwas gewölbt und vollkommen glatt; dieverwachsenen Schuppen der Gynobasis bilden aufder innern Seite einen kaum merkbaren Rand, auf

der andern Seite tritt eine stumpfe weifsliche Schuppeüber die Fruchtknoten hervor.

Die jüngeren Blätter und besonders die drüsi-gen Kelche besitzen einen eigentümlichen nichtunangenehmen Geruch, ihr Geschmack ist unbedeu-tend, etwas schleimig.

Die zerschnittenen Blätter kommen in unsererGegend unter dem NamehBlankenheimer Theevor. Nach den Untersuchungen des Herrn Apothe-ker Wolf in Limburg und des Herrn Dr. Wese-ner in Hufelands Journal (Jahrg. 1812 u. i8i3)sind die sogenannten Lieb er i sehen Kräuter eben-falls nichts anders, als unsere Galeopsis villosa.Da sich nun nach den therapeutischen Versuchendes Herrn Dr. Wesen er die Wirksamkeit dieserPflanze als linderndes Mittel bei Phthisis pitui-tosa bestätigt hat, so wollen wir nicht versäumen,sie hier aufzunehmen.

Anm. Man kann diese Art durch die gelblich-weifse Farbe der Blumenkrone leicht von ihrenVerwandten unterscheiden. (N, v. E.)

Erklärung der Tafel.

1. Die blühende Pflanze.

2. Der Kelch.

3. Ein Kelchzahn, sehr stark vergröfsert, mit denDrüsenhaaren.

4. Die Blumenkrone, von der Seite.

5. Dieselbe, halb von vorn gesehen.

6. Dieselbe, ganz von vorn.

7. Ein Stück der Blumenkrone von innen gesehenund vergröfsert, mit den Staubgefäfsen und demPistill.

8. Die Fruchtknoten mit den Schuppen der Gyno-

basis und dem Griffel.