Benennungen:
Griech. ifmit. Homer, vvm. Ex Spreng, hist. rei,
herb. p. 21.
Deutsch. Der gemeine Feigenbaum.
Fr an. le Figuier.
Jtal. Fico, figo.
Span. Higuera.
Port. Figueira.
Engl. 'Ihe fig-tree.
Ho 11. Vygeboom.
Dan. Figentraee.
S c h w e d. Fikonträd.
R u f s. Finik.
Po In. Figa. Figowe drzewo.
Böhm. Fik.
Ungar. Fige - fa.
Der Feigenbaum wächst in ganz Asien, auf denJnseln des Archipelagus, auch in Spanien, Sicilien,Jtalien, überhaupt in den südlichen Ländern Euro-pas, wo er sehr häufig kultivirt wird. In Deutsch-land wird er in Kübeln, auch in Gärten gezogen;hält aber die Winterkälte ohne Bedeckung nicht ausund kann bey uns in erstem ohne hinlänglicheNahrung und im Freyen durch das jährliche Um-biegen und Bedecken eben kein sonderliches An-sehen erhalten. In den mittägigen, wärmern Län-dern hingegen wird er fünfzehn bis zwanzig Fufsund drüber hoch. Der kühlende Schatten, den seineausgebreitete, dichte Krone gewährt macht ihn inden heifsen Gegenden zu einem gesuchten Baume,defsen vorzüglicher Werth aber in der Güte undSchmackhaftigkeit seiner Früchte besteht, wovonman durch Kultur viele Varietäten erhalten hat, diesich durch ihre Gröfse, Farbe und ihren Geschmackunterscheiden. Die Athenienser sahen diesen Bauinals ein Geschenk der Götter an, widmeten ihn demMercur, und die Lacedemonier waren der Meinung,dafs durch Bachus ihnen der erste Feigenbaum ge-pflanzt worden sey. Auch glaubte man in frühernZeiten, dafs dieser Baum ohne vorhergehende Llii—the, Früchte trage. Die Blumen aber sind in demfleischigen, birnförmigen Blumenboden, (der Feige)der nur Träger derselben ist und den man gewöhn-lich für die Frucht hält, verborgen. Nur die Saa-men sind die eigentliche Frucht. Der Stamm desFeigenbaums ist oft gekrümmt, hat eine graue, glatteRinde und die Aeste sind mit rauhen, sehr kur-zen Haaren bedeckt. Das Holz ist schwammig undweifs.
Die Blätter sind grofs, gestielt, abwechselnd,dick, herzförmig, ausgeschweift-gezahnt, geädert,oben rauh und dunkelgrün, unten feinhaarig undweifslich, und tief in drey bis fünf stumpfe Lappengetheilt.
Die Feigen oder vielmehr die Blumen - oderFruchtboden sind fast aufsitzend und befinden sichlängs den jährigen Zweigen und Aesten. Sie zeigensich, besonders die erstem, noch vor den Blättern;haben eine birnförmigeGestalt, sind grofs, fleischig,bohl, unbehaart, zusammengeneigt und innerhalbüberall mit Blüthen besetzt. Oben befindet sich andenselben eine Oeffnung, in Gestalt eines Nabels, mitkleinen Schuppen umgeben, die in mehrern Reihenstehen.
Die männlichen Blüthen, welche ingerin-erprer Anzahl vorhanden, und an welchen man einendrevtheiligen aufrechten Kelch mit gleichen, lan-zettförmigen Einschnitten, keine Blumenkrone,und drey borstenf »rmige S t a u b f ä d e n von derLämre des Kelchs und mit zweyknöpfigen Staub-beuteln versehen, betrachtet, sind gestielt und neh-men den obern Theil in der Nähe des Nabels ein.Einige finden sich auch wohl mehr nach unten oftmit den zahlreichen weiblichen Blumen ver-mischt.
Diese letztern sind ebenfalls gestielt und habeneinen fünftheiligen Kelch, defsen Einschnitte fastgleichförmig, lanzettförmig-zugespitzt und aufrechtsind. Die Blumenkrone fehlt. Der Frucht-knoten sitzt oben, ist eyförmig, von der Gröfsedes Kelchs uud mit einem pfriemenförmigen, einge-bogenen Griffel versehen, welcher zwey zugespitz-te, zuiückgebogene Narben hat, wovon die eine kür-zer ist. Der von dem schiefen Kelche fast zur Hälftebedeckte Saame ist klein, gelblich, rundlich und zu-sammengedrückt.
Alle zarten Theile des Feigenbaums, die Rindeund Blätter enthalten im frischen Zustande einenmilchartigen Saft, der bitter und scharf ist. Vor derBeife ist dieser ätzende weifse Saft selbst in dei.fleischigen Fruchtböden der Feigen vorhanden.Auch rührt daher der ekelhafte Geruch und zurüek-stofsende, unangenehme Geschmack der unreifenFrüchte. Zur Zeit der Reife aber erleidet die Feigeeine Art verborgener GäLrung, welche in derselbeneine gröfse Menge Zucker entwickelt und die scharfschmeckende, bittere Substanz in eine saftige auser-ordentlich sülse und von angenehmem Geschmack,umändert.
Die Fortpflanzung des Feigenbaums geschiehtdurch Ableger, Stecklinge, Ausläufer und Saamen.Die bey uns gereiften Früchte sind nicht so schönund suis, als die der wärmern Gegenden und wer-den auch nur frisch genofsen.
Die halbgetrockneten Früchte oder eigentlichdie fleischigen Fruchtböden, Feigen, (Caricae s. fruc-tus Ficus) sind offizinell.
Wir erhalten sie in Kisten, Fäfsern oder Körbeneingepackt, wodurch sie in eine platt rundliche Formznsammengeprefst erscheinen. Sie sehen weifsgelb-lich aus und haben ein etwas schleimiges, zähes,sehr süfses, mit vielen kleinen gelblichen Saamenkör-nern versehenes Fleisch
Im Handel gibt es gewöhnlich dreierley Sorten;
1) Die Smyrnischen welche grofs, gelb, rund und
meistens trockner als die andern sind,,
2) Die Genuesischen, die gröfser, gelber, aber
länglich sind.
3) Die Marseiller, welche kleiner, gelb und rund
sind, am angenehmsten und süfsesten schmek-ken, sich aber nicht länger als ein Jahr auf-bewahren lafsen.Zum Arzneygebrauche wählt man gewöhnlichdie weichen, klebrigen, sehr süfsen, etwas durch-scheinenden Feigen (Carica? pingues) aus. Veraltete,harte, trockne, sehr dunkelgelbe, stark mit Zuk-kerstaub überzogene, von Milben angefrefsene, ge-schmacklose oder bitterlich schmeckende Feigen sinddazu untauglich. Was den die Oberfläche der Fei-gen überziehenden Zuckerstaub betrifft, so ist dieseweifse zuckerartige Materie zwar ein Merkmal ihrerGüte und Reife, zugleich aber auch ein Zeichen ih-res nahen Verderbens.
Abbildungen.
Flor, du Dict. des Seien, med. livr. 44» pb *6ö.Du Hamel edit. Michel. IV. Tab. 53 — 09.Du Hamel Arb. I. pag. ß35, tab. 99,Black w. Herb. t. ia5.Ludwig Ectyp. t. 1 09.Knorr. Del. hört. 1. t. F.Kniphoff. Cent. 2. n. 25.Dodon. Pempt. 812.
Erklärung der Platte.
Taf. No.
1. Ein Zweig mit noch nicht ganz reifen Früchten.
2. Eine reife Frucht.
3. Dieselbe der Länge nach durchschnitten.4- Eine männliche Blüthe.
5. Dieselbe vergröfsert.
6. Eine weibliche Blüthe.
7. Dieselbe vergröfsert.