Poln.
Böhm.
Ung.
Szafran.Ssafran.Safran j - .
Der Safran ist ein ausdauerndes Zwiebelge-wächs, welches in mehreren Ländern des Orients,auch in Sicilien, in einigen Gegenden Italiens, aufden thracischen, helvetischen und pyrenäischen Al-pen, in Spanien und Portugal, der Türkey etc. aufBergen und in Thälern wild wächst» In EnglandSpanien, Frankreich, Sicilien, Böhmen, Niederöst-reich an der Donau, Bayern, Schlesien, und an-dern mittägigen Provinzen Deutschlands wird er inGärten und auf Feldern mit vielem Fleifs und Vor-theil angebaut und durch Kultur vervollkommnet.Bey uns wird er häufig als Zierpflanze in Gärtengezogen, wo er durch Verschiedenheit und mannig-fache Abänderung der Farbe der Blumen einen an-genehmen Anblick gewährt.
Die Wurzel desselben ist eine rundliche Zwie-bel von der Gröfse einer Nufs, bedeckt mit einemtrocknen, zaserigen Häutchen von grauer, ins braungelbliche fallender Farbe. Am untern Theile derZwiebel bilden sich lange Wurzelfasern, die tief inden Boden gehen.
Die zahlreich gleichbreiten, aufrechten, dachrin-nenförmigen, mehrere Zoll langen, spitzigen Blät-ter erscheinen nach den Blumen, sind alle Wur-zelblätter und an ihrem untern Theile mit einerhäutigen Scheide umwickelt.
Fast in der Mitte der Blätter erhebt sich einsehr kurzer Schaft, welcher eine schöne, grofse,hell-violette Blume trägt. Die Röhre derselben,welche lang und dünn ist, erweitert sich in eineglockenförmige regelmäfsige Krone, die aus sechsgleichen, ovalen, etwas stumpfen Abtheilungen,welche viel kürzer sind als die Röhre, besteht.Der Kelch fehlt und statt desselben umfafst eineeinblättrige, häutige Scheide die Blumenkrone. Diedrey Staubfäden mit pfeilförmigen Staubbeu-teln befestigen sich am Ende der Röhre. Auf demFruchtknoten, der unten befindlich und rund-lich ist, erhebt sich ein fadenförmiger Griffe],welcher sich an seinem obern Theile in drey dickedunkel - orangefarbige Narben endigt. Diese sindzuweilen hornförmig zusammengerollt, oft gezahntoder kammförmig ausgeschnitten, und länger als dieStaubläden.
Die Frucht besteht in einer ovalen dreylap-pigen Kapsel, mit drey Klappen und drey vielsaa-migen Fächern versehen.
Der Safran blüht im September und October.Die Fortpflanzung desselben geschieht durch dieZwiebeln. Er vermehrt sich durch die Wurzelbrutsehr stark, besonders wenn er an demselben Orteeinige Jahre stehen bleibt. Er kommt in jedemBoden, in einem offenen und ebenen Lande sehrgut fort. Nur die getrockneten Narben der Blumen(stigmata Croci,) nicht die Staubfäden sind offizi-nell und bilden den bekannten Safran. Sie sind indrey, ohngefähr einen Zoll lange, ziemlich häutigeFäden getheilt, die unten ein dünnes Ende haben,allmählig eine keilförmige Gestalt annehmen undsich in eine abgestumpfte, gekerbte, weiisgelblicheSpitze endigen. Im frischen Zustande sind sie ebenund gleich; getrocknet sind sie auf mancherleyWeise gekrümmt und in einander gedreht, von ge-ringem Gewicht, weder feucht noch ganz trocken,sondern zähe und biegsam, lassen sich weich undetwas fettig anfühlen und sind schwer zu pulvern.Die Farbe dieser getrockneten Fäden ist dunkel-roth oder rothgelb und etwas glänzend, an beydenEnden aber weifsgelblich. Meistens sind einige hel-le Fäden mit untermischt. Beym Reiben färben siedie Finger und beym Kauen den Speichel stark
dunkelgelbroth und in geringer Menge vieles Was-ser goldgelb. Aufserdem hat ein guter Safran ei-nen starken, gewürzhaften, eigenthümlichen, etwasbetäubenden Geruch und einen bitterlichen, balsa-mischen etwas scharfen Geschmack.
Man zog ehedem den orientalischen Safran(crocus orientalis) vor. Jedoch wird er seines ho-hen Preises und seiner häufigen Verfälschungen we-gen, jetzt nicht mehr so geachtet als der östreichi-sche, bayersche und französische. Der italienischeSafran ist blässer, färbt aber doch sehr stark. DerEnglische ist sehr trocken und leicht zu pulvern,daher gewöhnlich schlecht. Am schlechtesten istder Spanische, welchen man meistens durch Ein-schmieren mit einem fetten Oele zu erhalten undschwerer zu machen sucht; auch macht er beymBefühlen die Finger öhlicht.
Der Safran verliert durchs Alter viel an Kraftund mufs in fest zu verschliefsenden steinernen oderzinnernen Gefäfsen oder Büchsen fest eingedrücktund mit Blase verbunden aufbewahrt werden. DasPulver ist von dunkelgelbrother Farbe und darfnur in geringer Menge und auf kurze Zeit vorrä-thig gehalten werden.
Auch ist der Safran vielen Verfälschungen un-terworfen. Er wird oft mit Saflorblumen, langge-schnittenen Granatblumen, Ringelblumen etc. ver-mischt, die gewöhnlich vorher in einem Auszugvon achtem Safran eingeweicht werden. Man findetdann mehrere dünne, weifsliche, hellgelbe oderrotbgelbe, aber nicht mit den characteristischenweifsgelblichen Endspitzen versehene Fäden dar-unter. Deutlicher erkennt man diese Verfälschunghcy Betrachtung des im Wasser aufgeweichten Saf-rans, indem man dann nicht die stumpfen drey-theiligen Narben des Safrans, sondern die Gestaltder genannten Blumentheile daran erkennt. Auchsollen die Ringelblumen eine gesättigtere, röthereTinctur geben, als der ächte Safran.
Bey Verfälschung desselben mit Fasern von ge-kochtem geräuchertem Rindfleische finden sichschwärzliche Faden darunter und beym Verbren-nen aus Kohlen entsteht ein Geruch wie von ver-brennendem Hörne.
Oefter wird der Safran mit Weingeist ausgezo-gen und wieder getrocknet. Wenn die Ausziehungnicht stark geschehen ist, so ist diese Verfälschungschwer und nur durch genaue Vergleichung desächten Safrans zu erkennen; so wie auch eine Ver-fälschung des Pulvers, welches oft aus einer Mi-schung von hartgekochten Eyern, Mandeln, Saflor,oder Sandelholz, Gurkuma und einem Zusätze äch-ten Safrans besteht, nur durch Vergleichung mitachtem Safranpulver ausgemittelt werden kann.
Abbildungen:
Zorn plant, med. t. i5i.
Blackwell herb. t. i44- f l«
Morison bist. 2. p. 335. f. 4- *• 2. f. i.
Redoute liliac. t. 173.
Martyn fl. rust. t. 58.
Smith engl. bot. t. 343*
Kern er ökon. pfl. I. t. 12.
Schkuhr bot. Handb. t. 6.
Plenk icon. plant, med. t. 32.
Handb. der pharm, bot. bl. III. f. 23.
Fl. du dict. des scienc. med. livr. 7g. pl. 3o6.
Erklärung der Platte.Taf. No.
1. Eine Pflanze in natürlicher Gröfse mit Zwiebel,
Blumenscheide, Blumen und Blättern.
2. Eine geöffnete und ausgebreitete Blumenkrone,
mit den drey Staubgefäfsen, nebst dem,wegen besserer Ansicht von der Blumen-röhre getrennten Griffel mit den drey Narben.