Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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Ho 11. Colchicum, wilde saffraan, Tydeloozen.

Dan. Hundedöd.

Norw. Rögne jumfruer.

Schwed. Tydlösa, Nackna jungfrun.

Russ, Beswremennoi zwjet,

P o 1 n. Rozsiad,

Böhm. Ocun.

^Die Herbstzeitlose, eine ausdauernde Pflanze,wächst fast durch ganz Europa und in sehr vielenGegenden Deutschlands auf feuchten Wiesen undin Gärten, wo sie auch zur Zierde gezogen wird.

Ihre Blätter, die nur im Frühling und Som-mer vorhanden sind, entspringen unmittelbar ausder Wurzel, sind meistens zu drey oder vier ver-einigt, grofs, lanzettförmig, spitz, glatt, rachenför-mig, aufrechtstellend, von schön grüner Farbe, 6bis 10 Zoll und drüber lang, wenigstens einen Zollbreit und am Grunde mit Scheiden umgeben. Dieblafsrothen Blumen bestehen aus einer langenRöhre, die aus der Zwiebel hervorkommt undsich in eine glockenförmige Mündung endigt, wel-che sechs tiefe, lanzettförmige, Stümpfe, wenigstens15 Zoll lange Einschnitte hat. Sechs pfriemenför-mige Staubfäden, welche an der Mündung derRöhre befestigt sind, tragen längliche, vierklap-pige, sckwankend-aufliegende Staubbeutel. ImGrunde der Röhre, über der Zwiebel, befindet sichder Fruchtknoten, auf dem sich drey lange, fa-denförmige Griffel erheben, welche sich mit ebenso vielen umgebogenen, gerinnelten Narben en-digen.

Die Frucht besteht in einer grofsen, dreylap-

pigen, einwärts durch eine Nath verbundenen, stum-pfen, drey fächerigen, inwendig an den Käthen auf-springenden Kapsel. Sie enthält viele kleine, run-de, runzliche Saamen.

Die Blumen der Zeitlosen, welche unmittelbaraus der Zwiebel entstehen, am Grunde mit einerrunden, an einer Seite gespaltenen Scheide und fastganz mit Erde umgeben sind, erscheinen allein, oh-ne Blätter und Stiele, bey Annäherung des Herbstes,im Monat August bis October. Die Saamenkapselbleibt bis zum May in der Zwiebel verborgen undmit Erde bedeckt; dann kommt sie hervor, steht imSommer mit den Blättern frey da, und die Saamen

reifen* In den Gärten findet man diese Pflanzeauch mit gefüllten und mit weifsen Blumen, unddie Frühlingszeitlose (Colchicum vernum) ist nureine Varietät derselben, mit schmälern Blumen undandern Blättern.

Die Wurzel (radix s. bulbus colchici) Zeitlo-sen - Licht - Herbst - oder Uchtblumenwurzel ist of-fizinell.

Sie ist eine eyförmige oder rundliche, etwaszusammengedrückte, an ihrem Grunde mit Wurzel-fasern versehene, fleischige, saftige Zwiebel vonder Dicke eines Daumes. Sie ist inwendig weifs,aufserhalb gelblich, und mit einer besondern dop-pelten, äufserlich lederartigen, braunen, innerlichdünnen, blassen, glänzenden Haut umgeben. IhrGeschmack ist mehlig, scharf", bitterlich; der Ge-ruch widerlich. Man sammlet sie im Anfange desSommers ein und wendet sie blöfs frisch zur Berei-tung des Zeitlosenessigs und Honigs an, diean manchen Orten gebräuchlich sind. Gewöhnlichfindet man an einem Schafte zwey Zwiebeln, vondenen die alte, welke Zwiebel weggeworfen undnur die neue, saftige, zum Arzneigebrauche ausge-wählt wird, die um so wirksamer ist, je saftigerund scharfschmeckender sie ist.

Abbildungen:

Red oute liliac. IV. 228.

Schk. b. H. t. 101.

Sturm Deutsch, fl. I. 3.

Flor, du dict. des scienc. med, livr, 34» ph **7»

Plenk ic. pl. med. 279,

Black well herb. t. 566.

Kniph. cent. 12. n. 3o,

Bull. herb. t. ig.

Lara, illustr. t. 267.

Knorr del. 1. t. Z. 1»

Erklärung der Platte.Taf. No.

1. Die ganze Zwiebel im Herbste zur Zeit der Blüthe,

2. Ihre Blätter im Frühjahr.

3. Der Blumenrand, gespalten, mit den männli-

chen und weiblichen Befruchtungstheilen,4» Die ganze Frucht.5. Die Frucht quer durchshnitten mit ihren Saamen,