Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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Der Koffeebaum, welcher bey 20 3o Fufshoch wird und das ganze Jahr hindurch Blüthen»reife und unreife Früchte, hat, ist ursprünglich inAethiopien zu Hause, wo er seit undenklichen Zei-ten bekannt, jezt noch mit Erlolg kultivirt wird #Von"Aethiopien wurde er nach Arabien verpflanzt,wo er einheimisch geworden und nirgends besser ge-deiht als in der Provinz Jemen, besonders beyMochaund Aden. Von Arabien aus wurde er in Ost- undWestindien verbreitet und wird besonders auf derInsel Bourbon, in Java, Martinique, St. Domingo,Guadeloupe, überhaupt auf den Antillen etc.gebaut.Im Jahre 1710 wurde durch Witzen, Consul inAmsterdam, der erste Koffeebaum, nach Europa ver-pflanzt. Auch in Deutschland wird er in Gewächs-häusern angetroffen und bringt reife Früchte. Er istjedoch sehr zärtlich und verlangt viele Wärme.

Die Wurzel dieses immergrünen Baums ist roth-bräunlich, geht gerade in die Erde und ist wenigfaserig.

Der Stamm erhebt sich in gerader Linie bis zueiner Höhe von mebr als i5 Fufs, obwohl er kaumdrey Zoll im Durchmesser hat und ist mit einer fei-nen gräulichen Rinde bedeckt, die vertrocknet, ris-sig wird. Die untern Aste sind gewöhnlich einfachund abstehend, die obern hingegen schlaff, biegsam,sehr abstellend, absatzweise knotig, und gegenein-ander überstehend, so dafs sich Ein Paar mit demandern kreuzt. Das Holz ist fest und hart.

Die Blätter sind kurzgestielt, gegenüberstehend,länglich-e\förmig, lang zugespitzt, ganz ungctheilt,wellenförmig, grün, glatt, oben glänzend, unten blafs,zwey Zoll breit, vier bis fünf Zoll lang, geruchlosund von krautartigem Geschmack. Zwischen jedemPaar sieht man am Grunde auf den nackten Flächender Zweige zwey kurze, spitzige und pfriemenför-mige Afterblättchen.

Die kurz gestielten, weifsen Blumen verblühensehr schnell, besitzen einen angenehmen Geruch,stehen zu 4 bis iünf in den Blattwinkeln und sindin Gestalt, Farbe und Umfang den Blumen des spa-nischen Jasmins ähnlich.

Der abfallende, auf dem Fruchtknoten sitzendeKelch ist einblättrig, sehr klein und fünfzahnig; dieBlumenkrone einblättrig, trichterförmig; die Röhrederselben dünn, cylindrisch, viel länger als der Kelchund die Mündung in fünf lanzettförmige, offene, anden Seiten etwas zurückgerollte Einschnitte getheilt.Die fünf am Rande der Röhre stehenden Staubfä-den tragen linienförmige Staubbeutel. Der untereFruchtknoten hat einen e i nfachen, mit zwey pfriemen-förmigen, etwas dicken, zurückgeschlagenen Narbenversehenen Griffel.

Die Frucht ist eine anfangs grüne, dann rothe,bey der Reife dunkler (violett) gefärbte, rundlicheyförmige, mit einem kleinen Nabel versehene,safti-ge, zweyfächerige, zweysaamige Beere von derGröfseeiner Kirsche. Das scbleimige, weiche Mark der-selben ist unschmackhaft süfslich und wird durchsTrocknen etwas säuerlich. Die Saamen sind knor-pelartig, hart, mäfsig schwer, grau, gelblich odergrünlich, bald rund, bald und öfter eyförmig, auf

dem Rücken gewölbt, mit der andern entgegenge-setzten platten, der Länge nach mit einer Furcheversehenen Fläche zusammenliegend und mit einereigenen Haut umgeben.

Diese Saamen (Koffee, Koffeebohnen Semina Cof-fese) sind offizinell. Sie werden mit darüber hinge-rollten hölzernen oder steinernen Walzen von derausgetrockneten Umgebung befreyt und haben einenetwas mehligen, kaum merklich bittern Geschmackund in gröfsern Quantitäten einen eigenthümlichen,doch nur schwachen Geruch. Das Decoct der rohen Boh-nen nimmt beym Erkalten eine schöne grüne Farbean. Sehr leiebte, auf dem "*Wasser schwimmendemisfarbige schwarze und dumpfig riechende Bohnensind verwerflich. Geröstet gebraucht man sie, wieallgemein bekannt, zu Getränken, In Konstantino-pel war der Gebrauch des Koffee schon im Jahri554 bekannt, und wurde im folgenden Jahrhundertin Europa eingeführt. Die gerösteten Bohnen be-sitzen einen starken, eigenthümlichen, angenehmenGeruch und angenehmen, bitterlichen Geschmack.

Die vielen im Handelvorkommenden Sorten vonKoffee werden thcils nach den Provinzen, wo siehei kommen, nach der Zeit der Einsammlung, nachder Behandlung, dem Ansehen und Alter unterschie-den. Die Vorzüglichsten sind:

Der levantische Koffee, die beste und theuersteSorte. Die Bohnen sind am kleinsten , oft sehr ge-drückt und von blafsgelber ins Grüne falleuderFarbe.

Der javanische Koffee, mit grofsen , gelben Bohnen.

Dersurinamsche Koffee mit noch gröfsern Bohnen.

Der Martinique-Koflee mit kleinern grünlichenBohnen und

der bourbonische Koffee mit am meisten insWeifse fallenden Bohnen.

Ferner gibt es gefärbte Bohnen, (Fabrik-Boh-nen), auch von ins Bläuliche fallender Farbe undandere schlechtere Sorten.

Abbildungen.

Flor du Dict. des Scienc. med. Livr. aa. pl. 85.Plenk Jcon. PI. med. tab. l3o.Bot an. Magaz. tab. i3o3.T r a 11 i n i k tab. 4°°«Blackwell Herb, tab, 337.Jussieu Act, Paris. 1713. tab. 7.Gärtner de fr. et sem. I. tab. 2j.Tillius Hort Pisan. t. 32.Kniphoff Cent. 11. n. 32.Plucknet Phytogr. 272. f. 1.' Alpinus. PI. Aegypt, tab. 3G.

Erklärung der Platte.

Taf. Nro.

1. Ein Zweig mit Blüthen und Früchten.

2. Eine einzelne Blumenkrone aufgespalten, so dafsman ihre fünf Siaubfäden sieht.

3. Der Kelch mit dem Griffel in der Mitte.

4. Eine ganze Beere.

5. Dieselbe gespalten.

ü u. 7. Die Zwei in der Beere enthaltenen Saamenkörner.