Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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Der Meerrettig kommt durch ganz Europaan feuchten Stellen, an Graben vorj doch wird erin Deutschland seltener wild gefunden, aber sehrhäufig der Wurzel wegen angebaut.

Die Wurzel ist kriechend, ausdauernd, stark,fleischig, von scharfem Geschmack, aufsen gelblich,innen weifs; durch sie wird die Pflanze sehr leichtund stark vermehrt, so dafs sie, einmal angebaut,fast nicht wieder ausgerottet werden kann.

Aus dieser Wurzel kommen auf langen glattenoben rinnenf örmig ausgehöhlten Blattstielen aufrecht-stehende Wurzelbläller hervorj diese Blättersind mit ihren Stielen 1 1/2 bis 3 Fufs lang, läng-lich, stumpf, an der Basis gewöhnlich ungleich aus-laufend, am Rande unregelmäfsig, doppelt undstumpf gekerbt, auf beiden Seiten glatt, gleichför-mig-grün mit netzförmigen gelblichen Adern. Zwi-schen ihnen steigen mehrere runde, gestreifte, oderzuweilen gefurchte Stengel ungefähr von der Längeder Blätter auf. An diesen finden sich abwechselndeund aufrecht-abstehende, lanzettförmige, fast gleich-breite, in einen sehr kurzen Blattstiel herablaufendeBlätter, von denen die unteren am Rande unregel-mäfsig eingeschnitten oder mit stumpfen Sägezähnenbesetzt, die obersten schmal liuienförmig und ganz-randig sind.

Die Blüthen stehen in langen Trauben an derSpitze des Stengels. Die Blüthenstielchen sindungefähr ^ - 6 Linien lang, dünn und glatt.

Die Kelchblatt che n sind blafs-grün, stumpfmit weifsem Rand.

Die Blumenblättchen sind weifs, keilför-mig, stumpf, mit sehr kurzem Nagel und noch ein-mal so lang als der Kelch.

Die Staubgefäfse sind nur halb so lang alsdie Blumenkrone; die Sta ubfäden sind weifs undan Länge nicht bedeutend verschieden.

Der Fruchtknoten ist oval, glatt, mit derScheidewand gegen die beiden längern Staubfädenzugewendet, und mit einer kopfförmigen drüsigengelblichen Narbe gekrönt.

Die Frucht ist ein eirundliches zweifächrigesSchötchen (silicula) mit convexen Klappen; an derSpitze lauft es in den stehenbleibenden kurzen Grif-fel ausj in jedem Fache finden sich vier bis sechsbraune Saamen. Diese Früchte kommen aber nur äu-fserst selten zur Ausbildung, wie diefs bei allen Pflan-zen mit sehr üppiger Wurzelvcgetation der Fall ist.

Die frische Wurzel (Radix Armoraciae)besitzt den scharfen flüchtigen Stoff, derallen Cruciferen, besonders aber dieser GattungCochlearia, eigenthümlich ist, in sehr grofser Menge,so dafs sie die Haut stark röthet und deshalb häu-fig den Sinapismen zugesetzt wird. In Ermangelungder Herba Cochleariae officinalis bedientman sich öfters in den Officinen dieser Wurzel zurBereitung des Spir. Cochleariae, welches aberwegen dem üblen Nebengeschmack dieser Wurzel

keineswegs zu billigen ist.

(N. v. E.)

Abbildungen.Blackw. Herb. tab. 415.Woodv. med. bot, IH. tab. i5o.

Erklärung der Tafel.

1. Die Wurzel.

2. Ein Wurzelblatt.

3. Ein unteres Stück des blühenden Stengels.

4. Die blühende Spitze desselben.

5. Eine Blüthe von der Seite gesehen.

6. Ein Blumenblatt.

7. Ein Kelchblättchen.

8. Der Fruchtknoten mit den Staubgefäfsen, ver-gröfsert.

9. Der Fruchtknoten mit den Drüsen am Grunde,

ebenfalls vergröfsert.

10. Ein Schötchen.

it. Dasselbe mit einer abgenommenen Klappe.12, Die Scheidewand mit den Saamen, vergrößert.