Die gemeine C i c h o r i e, eine ausdauernde,nach andern nur zweijährige Pflanze wächst in ganzEuropa, und findet sich fast durch ganz Deutsch-land an ungebauten Orten, an den Rändern derAecker und Wiesen, auf Feldern und Triften, ansteinigen Wegen und an Strafsen. Man kultivirt siehäufig auf Feldern und in Gärten, wo sie stärkerund gröfser -wird, breitere, sehr glatte Blätter undeine starke Wurzel erhält.
Die gerade in die Erde gehende Wurzel istlang, spindeiiömiig, oben ästig, fast fiugersdick,mit kleinen Fasern besetzt, aufsen bräunlich-gelb,und inwendig weifs-fleischig.
Der Stengel ist aufrecht, eckig, steif, etwasrank, abwechselnd ästig, und erreicht eine Höhevon zwey bis vier Fufs.
Die dunkelgrünen Blätter sind rauh, oft auchglatt, und werden kleiner je mehr sie sich derSpitze des Stengels nähern. Die Wurzelblätter lie-gen in einem Kreise, sind gestielt, länglich, lanzett-förmig, schrotsägenförmig, gezahnt; die Stengelblät-ter abwechselnd, umfassend, und, die obersten beiden Blumen stehenden Blätter ganz ungetheilt undherzförmig - lanzettförmig.
Die fast stiellosen, grofsen, schön himmelblau-en Blumen stehen einzeln, sehr oft auch gepaartin den Blattwinkeln der Länge nach an den Sten~geln und Zweigen. Sie offnen sich am Morgen, undschliefsen sich gegen Abend. Auch "ibt es Varietä-ten mit rothlichpn, mit weifsen und mit gestieltenBlumen.
Der gemeinschaftliche Kelch ist doppelt, derinnere walzenförmig, besteht aus acht schmalen,länglichen, lanzettförmigen, gleichen Schuppen; deräufscre aus fünf etwas kurzem. Die einförmige,flache Blumenkrone ist zusammengesetzt aus kreis-förmig geordneten Zwitterblümcheu, mit zungen-förmig-verlängerten, abgestutzten und fünf zahni-
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gen Blumenbiättclien. Die fünf Staubfäden sind schi-rm
kurz und haarförroig; und die Staubbeutel vereinigtin einen fünfeckigen, röhrigen Cylinder. Der Frucht-knoten ist länglich, hat einen fadenförmigen Griffel,von der Länge der Staubfäden. Die beyden Narbensind zurück gerollt.
Der Blumenboden ist fast spreuartig. DieSaamen sind klein, winklich und mit einer klei-nen, undeutlich haarigen, last fünfzahnigen Saamen-krone versehen, und in dem walzenförmigen, obenzusammengeneigien Kelche enthalten.
Die Cichorie blüht von Juni bis September.Die Saamen reifen im August bis October.
Die wilde Wurzel (Cichorienwurzel, Wegwart-wurzel, Radix cichorii) ist offizineil. Auch warenfrüher, die Blumen, die Saamen und das Kraut ge-bräuchlich.
Die ganze Pflanze, besonders die Wurzel schmektsehr bitter und leicht zusammenziehend. Sie ent-hält einen milchig-schleimigen Saft. Man pflegtzum Arzn ■ygebrauche nur die wildwachsende Wur-zel im Frühling in den Monaten März und Aprileinzusammeln, und gibt ihr den Vorzug, da siekräftiger ist, und mehr Bitterkeit besitzt, "als dieWurzel der in Gärten oder auf Feldern knltivirtcnPflanze, welche milder von Geschmack, auch dickerund schleimiger ist.
Ein Fall von Verfälschung der Cichorienwurzelamit den Wurzeln des Bilsenkrauts ( Hyoscyamus ni-ger) findet sich im Repertorio für die Pharmacte,B. i. S. 345. von Dr. Büchner. Erst durch Un-tersuchung und Vergleichung der frischen Wurzeinwurde die Vermuthung der Verfälschung zur Ge-wifsheit. Die Wurzeln waren äufserlich kaum zuunterscheiden, nur im Innern war die Verschieden-heit sehr merklich, da die erstem fleischig waren,beym zerschneiden einen weifsen Milchsaft liefertenund bitter schmeckten, die inwendig holzigen Bil-senkrautwurzeln hingegen einen scharfen Geschmack
hatten.
Abbildungen.
Flor du Dict. d. Scienc. med. Livr. 3i. ph n?-Curtis. Lond. n. 4LFlor. dan. tab. 907.Engl, botan. tab. 538.
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Sturm. Deutschi. fl. I. 6.
Blackwell. Herb. tab. i83. et var. eultam. tab.
i 77 l\.Knorr. Delic. I. t. W. 9.
Erklärung der Platte.
Taf. Nro.
1. Ein blühender Zweig.
•2. Die Wurzel.
3. Der Umrifs eines Wurzelblatt«
4- Ein einzelnes Blütchen.
o. Ein Saamenkorn.