Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Dieser berühmte Baum, den Rumph »arboromnium praestantissima, elegantissima et pretiosis-sima» nennt, ist ursprünglich auf den Molukki-scben Inseln und /.war besonders auf der klei-nen Insel Makian einheimisch, von wo er zuerstauf andere Ostindische Inseln, besonders Amboina,verpflanzt wurde, und späler auch nach der InselBourhon, Mauritius, nach den Antillen und-nach Cajenne gelangte, wo er aber eine sorgfäl-tige Cultur fordert. Nach Rumphs Bericht erlangtder Bauin unter günstigen Umständen ein Aller vonhundert Jahren.

Der Stamm erreicht die Höhe unserer Kirsch-bäume; seine Aeste, die schon in einer geringenEntfernung vom Boden entspringen, bilden einepyramidenförmige schöne Krone; seine Wurzeln ge-hen gerade und sehr tief in den Boden.

Die dünne glatte Rinde hängt dem schwerenund dichten Holze fest an, sie ist an den vorliegen-den jungen Zweigen aus Java, Mauritius und Mar-tinick von graulich-weiiser Farbe.

Die Blätter sind entgegengesetzt, gestielt, ab-stellend, länglich-lanzettförmig, in eine stumpfe Spitzeausgedehnt und an der Basis stark verdünnt \ siesind auf beiden Seiten vollkommen glatt, auf derobern dunkelgrüu, glänzend und mit zahlreichenparallelen Querrippen durchzogen, auf der unternaber blafser grün und mit kleinen drüsigen Punktenbesetzt; ihre Länge beträgt drei bis vier und einenhalben Zoll, bei einer Breite von zehn bis fünfzehnLinien.

Die Blüthen bilden dreitheilige Doldentrau-ben an der Spitze der Aeste; die Blüthenstiele sindsehr kurz, glatt und gleichsam gegliedert. DieKelche sind länglich, trichterförmig, an der Spitzein eine viereckige Scheibe erweitert und mit vierkleinen Kelchzähnen besetzt, im Anfang grün, spä-ter roth.

Die Blumenkrone besteht aus vier kleinenabgerundeten coneaven hinfälligen blafs-rosenro-then Blumenblättern, die vor dem Aufblühen einekopfförmige Knospe bilden.

Die zahlreichen Staubfäden entspringen aus demKelch, sie sind länger als die Blumenblätter, an derBasis breiter, glatt, weifs; die Antheren sindoval, blafsgelb.

Aus der Mitte des Kelchs erhebt sich aus derringförmigen undeutlich-viereckigen Scheibe (discus epigynus) der kurze einfache Griffel.

Der längliche Fruchtknoten ist von demKelchrohr umgeben, welches mit ihm verwächst(calyx adhaerens vel germen inferum).

Die Frucht ist eine ovale trockne einsaamigeBeerenfrucht. Die Testa des Saamens scheint zufehlen, (ist mit der Fruchthülle verwachsen?). Diebeiden dicken Cotyledonen sind an ihren Seitenübereinander gewickelt; das verlängerte Würzelchenentspringt in der Mitte dieser Cotyledonen und steigtnach der Spitze der Frucht auf.

Die noch nicht entfalte ten Blüthen-knospen sind die bekannten Gewürznelken

(Caryophvlli aromatici). Sie werden in Ostindien ingrofser Menge gesammelt und theils an der Sonne,gewöhnlich aber durch Rauch getrocknet, nachdemsie vorher in heifses Wasser getaucht worden wa-ren ; die Erndte fällt in die Monate October bisDecember. Gute Gewürznelken haben eine dunklerothhraune Farbe, ein fettig-öliges Ansehen undden feurig - gewürzhaften Geschmack in hohemMaafse Die in Westindien eultivirten Nelken sindvon weit geringerem Werth.

Nach Trommsdorff's Analyse enthalten sieein flüchtiges, höchst aromatisches, frisch be-reitet farbloses, sich bald gelblich-braun fär-bendes, schweres Oel . . i8geschmackloses Harz . . 6eignen Gerbestoff . . . 13schwer löslichen Extractivstofl 4Gammi . . . . iS

Wasser . . . .18Holzfaser . . . .28

100

In frühem Zeiten waren auch die Früchte die-ses Baums, die weit weniger Aroma besitzen, unterdem Namen Mutter nelken (Antophylli) ofticinell.

Anm. Lodibert hat aus den Ostindischen Ge-würznelken ein nur in heifsen Weingeist undAetber lösliches geschmackloses Harz in weis-sen Crystallen dargestellt, welches von Bona-stere den Namen Caryop hillin erhaltenhat. Aus deu Nelken von Cajenne war es nichtdarzustellen. (Journ. de Pharm. 1823. Fevr.)

(N. v. E.)

Abbildungen.

Rumph Amb. II. lab. 1.

Sonnerat. Voyage a la nouvelle Guinee. tab. itf).

Erklärung der Tafel.

1. Ein blühender Zweig.

2. Zwei Blumenblätter in natürlicher Gröfse.

3. Ein Staubgefäfs.

4. Dasselbe vergröfsert, von vorn gesehen.

5. Dasselbe von der Rückenseite,fi. Der Kelch.

7. Derselbe, der Länge nach durchschnitten.

8. Eine Blülhenknospe, wie sie im Handel vor-kommt.

9. Die Frucht (Mutternelken).

10. Der Saamenkern (nucleus).

ti. Derselbe gespalten, um die Lage der Cotyledo-nen und des Würzelchens zu zeigen.