Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Obgleich Persien das eigentliche Vaterland desHanfs seyn soll, wächst auch diese nützliche, ein-jährige Pflanze häufig und gleichsam wild in ver-schiedenen Gegenden von Deutschland und meh-reren Ländern Europas um, Dörfer, auf Schutthau-fen , auf Aekern unter der Saat etc. In ökonomi-scher Hinsicht wird sie in Europa häufig angehaut.

Die Wurzel ist weifs, holzig, büschelförmig,faserig; der Stengel aufrecht, steif, gewöhnlich ein-fach, stumpf-viereckig (besonders bei der weibli-chen Pflanze), hohl, rauh, hin und wieder mit kur-zen Haaren besetzt, und erreicht drey bis fünf FufsHöhe, welche jedoch nach der Beschaffenheit desBodens und dem Einflufse des Klimas verschiedenist.

Die gefingerten, gegenüberstehenden, gestiel-ten Blätter bestehen aus fünf bis sieben langen, rauhen,mit weit von einander-stehenden Haaren versehe-nen, lanzettförmigen, gesägten, nervigen, an bey-den Enden schmälern Blättchen, welche sich in ei-ne lange, glattrandige Spitze endigen, und wovondas mittelste am längsten ist, die an den Seiten nachund nach an Länge abnehmen, und die unterstensehr klein sind. An der männlichen Pflanze sind dieBlätter blässer, an der weiblichen aber von dun-kelgrüner Farbe.

Die grünlich-weifsen Blüthen sind zweyhäusig;jedoch finden sich auch Pflanzen, die beyde Ge-schlechter in getrennten Blumen tragen. Die Blu-men der männlichen Pflanze stehen in kleinen schlaf-fen, unten blättrigen Trauben an der Spitze, und inden Winkeln der obersten Blätter. Die weiblichenstehen eben so, nur sind sie kleiner, einzeln undfast aufsitzend.

An den erstem betrachtet man einen einblät-trigen Kelch, mit fünf länglichen, etwas gebogenen,vertieften', stumpf - zugehenden Einschnitten , undfünf sehr kurze haarfurmige, im Blumenboden ein-gefügte Staubfaden, mit länglichen, vierseitigenStaubbeuteln; die Blumenkrone fehlt.

Die weiblichen Blumen bestehen aus einem blei-benden, einblättrigen, länglichen, zugespitzten Kel-

che, der sich seiner ganzen Länge nach auf einerSeite öffnet. Die Blumenkrone fehlt, und der obe-re sehr kleine Fruchtknoten trägt zwey pfriemen-förmige, lange, haarige Griffel mit spitzigen Narben.

Die Frucht ist eine eyrunde, etwas gedrückte,glatte, an einem Ende stumpfe, am andern mit ei-nem runden Grübchen versehene, braune odergrau-weifse, innerhalb des geschlofsenen Kelchssich befiedende, zwe) klappige Nufs, welche unterder harten, zerbrechlichen Schale einen weifsen,süfJslichen, ölig-schleimigen Kern enthält, der miteinem braun-gelblichen Häutchen umgeben ist.

Der Hanf blüht im May, Juny und Juli, undbringt im September und October reifen Saamen,welcher in den Offizinen vorräthig gehalten wird.

Der Saame liefert durchs Auspressen ein gel-bes, geschmackloses, leicht in der Kälte erstarrendesÖl (Oleum cannabis). Die ganze Pflanze ist ver-dächtig, narkotisch und besitzt einen starken widri-gen betäubenden Geruch.

Abbildungen:

Lamark illustr. gen. tab, 814.

Flor du dict. des scienc. med. livr. 29. pl. 110.

Black well herb. t. 322 a et b.

Gärtner de fr. et sem. cent. 5. t. 73. fig. t,

Erklärung der Platte.Taf. Nro.

1. Fine blühende männliche Pflanze.

2. Die Spitze einer weiblichen Pflanze.

3. Ein Blatt.

4» Eine einzelne männliche Blume.

5. Der Staubbeutel vergröfsert.

6. Eine einzelne weibliche Blume»

7. Das Pistill vergröfsert.

8. Die Frucht.

9. Der Saame entblöfst.

I