Benennungen.
Holl. Gewoone Haver.Schwed. Huithafre.Engl. The cultivated oat.Franz. L'avoine cultivee.
Das Vaterland des gemeinen Hafers ist, wiedas der meisten Getreidearten, nicht mit Sicherheitxu ermitteln, er verträgt übrigens ein rauheres nörd-licheres Klima als alle die übrigen.
Aus einer einjährigen fasrigen mit haarförmi-gen Zasern dicht bekleideten Wurzel kommen ge-wöhnlich zwei bis drei Halme hervor.
Diese Halme sind aufrecht gestreift, glatt undhohl, zwei bis drei Fufs und oft noch drüber hoch,mit fünf bis sechs Knoten, die am Grund mehr ge-nähert beisammen stehen und von dem der untersteoft Wurzelfasern ausschickt.
Die Scheiden (vaginae) bekleiden fast dieganzen Intemodien, sind anliegend, gestreift, glatt.Das Blatthäutchen (ligula) ist breit, vorragendgezahnt.
Die Blätter sind verhältnifsmäfsig breit, langzugespitzt, glatt, am Rande und auf beiden Seitenrückwärts rauh anzufühlen.
Die Blüthen bilden eine sparrige sechs bisacht Zoll lange Rispe; die Aeste dieser Rispe sindan der Basis verdickt und abwechselnd nach einerSeite gerichtet, au dem untern Knoten der Spindelentspringen fünf bis sechs gewöhnlich ästige Blü-thenstiele von verschiedener Länge, gegen die Spitzehin werden sie kürzer, einblüthig und stehen zuzwei bis drei beisammen, die Basis der besondernBlüthenstiele ist stark verdickt; alle diese Verzwei-gungen und die Spitze der Spindel (rachis) ist sehrrauh.
Die Aehrchen (spiculae) sind hängend zwei-blüthig, mit einem sehr kleinen gestielten unvoll-kommenen Ansatz eines dritten Blüthchens; sie sindnur während der Blüthe offen (patentes)« Die bei-den Kelchspelzen (glumae calvcis) sind von gleicherGestalt, lang zugespitzt, am Rande und an derSpitze häutig, mit neun grünen Rippen, glattund länger als die Blüthchen. Von diesem ist dasuntere gröfsere sitzend, und an der Basis etwas be-haart, das obere kleinere ist gestielt. Die äufsereKronspelze (glumella exterior seu inferior) ist aufdem Rücken gewölbt, zugespitzt, mit fünf Rippen,die oberhalb der Mitte entspringen und gegen dieSpitze hin laufen, die-häutigen Ränder rollen sichein und umschliefsen die innere Spelze, so dafsdas Blüthchen halbrund (teres) erscheint, auf dem
4,3o.
8,23.2.
2,5o.
Rücken entspringt eine Granne (arista), die überden Kelch hinaustritt, zuweilen aber auch fehlt.
Die innere Kronspelze hat eingeschlageneRänder, ist durchsichtig und an den grünen Saiten—rippen fein gewimpert.
Die Staubfäden sind sehr dünn, die Staub-beutel grofs, pfeilförmig, gelb.
Der Fruchtknoten ist eirundlich, mit langen' weifsen Haaren bekleidet, und mit zwei gefiedertenweifsen Narben gekrönt.
Die Caryopse ist mit den Kronspelzen be-kleidet (caryopsis tunicata). Man unterscheidet nachder Farbe, den gemeinen grünlich weifsen undden schwarzbraunen Hafer; jede dieser Spiel-arten kommt dann wieder mit oder ohne Grannevor. (S. Metzger a. a. O.)
In der Medizin finden diese Früchte theils als
roher Hafer, Avena cruda, theils als Hafergrütze,
Avena excorticata, zu schleimigen lindernden
Getränken Anwendung. Sie enthalten nach Vogel:
Stärkmehl — — — — 59»
Dem geronnenen Eiweisstoff ähnliche
Materie — — — —
Zucker und Extractivstoff — —
Fettes Oel — — — —
Gummi — — — —
Aufserdem will Davy Kleber in dem Hafergefunden haben, und die französischen Chemikerschieden aus der Saamenhülle einen eigenthümli-chen aromatischen der Vanille ähnlichen Stoff.
Anm. Der Flughafer (Avena fatua), der zuweilenunter dem gemeinen Hafer vorkommt, unter-scheidet sich durch die behaarten Blumenspel-zen. In manchen Gegenden wird auch derFahnenhafer (Avena Orientalis) eultivirt, denman leicht an seiner Gröfse und der zusam-mengezogeneu Rispe erkennt.
(N. v. E.)
Abbildungen.Metzger Cerealicn tab. XII.
Erklärung der Tafel.
i. Der untere Theil des Halms mit der Wurzel.
2. Der mittlere Theil desselben.
3. Die blühende Spitze.
4. Ein Aehrchen (spicula) in natürlicher Gröfse.
5» Dasselbe nach Hinwegnahme der unteren Kelch-spelze, mit zwei fruchtbaren und einem un-fruchtbaren Blümchen.Die Staubgefäfse und das Pistill.Ein Staubgefäfs.Der Fruchtknoten mit den Narben.
9. Eine ausgebreitete Kelchspelze.
10. Die gegrannte Kronspelze, vom Rücken gesehen.
11. Dieselbe von der Seite.
12. Die innere Kronspeke, alle Figuren von b" an
vergröfserr.
6.
7-8.