Mehrteiliges Werk 
Plantæ medicinales oder Sammlung offizineller Pflanzen
Entstehung
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Der gemeine Ingwer wächst ursprünglich inOstindien, häufig in Bengalen, auf Java, Malaharu. s. w., wird auch jetzt schon wild in Westindienangetroffen und ist überhaupt uuter allen wärmernHimmelsstrichen in China, in Jamaika, überhaupt aufden Antillen und mehrern andern amerikanischenInseln, wohin ihn die Spanier (Franz v. Mendoza)brachten, mit gröfstem Erfolge angebaut worden-Bey uns wird diese Pflanze in Treibhäusern gehaltemDie Wurzel ist ausdauernd, kriechend, aus kno-tigen, bandförmigen, etwas ästigen, zusammenge-drückten, fleischigen, mit «.arten, kurzen Fasern be-setzten Knollen bestehend, von der Dicke eines Fin-gers, inwendig weifs oder röthlich und aufseu vonblasser oder gel blicher Farbe.

Sie treibt drey bis vier unfruchtbare, einfache»runde, blättrige Stengel von zwey bis drey FufsIIöhe'Die Blätter sind abwechselnd, umfassend, gleich-breit-lanzet[förmig oder schwerdtförmig, sechs odersieben Zoll lang und 15 Zoll breit. Ihre Rückflächeist durch eine der Länge nach laufende, sehr her-vorstehende Mittelrippc getheilt und hat viele schiele,feine Seitenrippchen. Zur Seite der blättrigen Sten-gel entstehen unmittelbar aus der VV urzel einige nackte,dicke, runde, schuppige Schafte, die kaum die Höheeines Fufses erreichen. Jeder trägt an der Spitzeeine eyförmige Ähre, ähnlich dem Ende einer Keuleund dachziegelförmig bedeckt mit häutigen, eyför-migen, ausgehöhlten, anfangs grünlichen Schuppen,welche an der Spitze und am Bande weifsgelblichsind, und später eineschön-rothe Farbe annehmen.Diese Ähren enthalten mehrere gelbliche Blumen,die sich nach und nach öffnen und in dem kurzenZeitraum eines Tags verblühen.

Die Blumendecke ist einblättrig, dreispaltig, un-gleich und walzenförmig; die einblättrige Blumen-krone offen und ungleich drej (heilig; der obere Lap-pen ganz, lang, aulrecht, etwas vertieft, der untereklein und in zwey schmale Stücke gelheilt. Alle sindetwas zurückgerollt. Das einblättrige Honiggefäfs (voneinigen mit zur Krone gerechnet, die alsdann vierthei-lig erscheint) istetwas dreylappig, (zweylippig) breitund gegen den Rand zu purpurtarbig-röthlich undmit gelben Flecken bezeichnet. Der Staubfaden istüber dem getheilten Staubbeutel verlängert und ander Spitze pfriemenförmig und gefurcht. Der Frucht-knoten sitzt unten und der in der Furche des Staub-beutels aufgenommene Griffel ist fadenförmig; dieNarbe kopfförmig.

Die Frucht ist eine eyförmige, dreyeckige, imInnern in drey Fächer getheilte, dreyklappige, viel-saamige Kapsel. Die Saamen sind länglich, schwärz-lich, von aromatisch-bitterm Geschmack und einemangenehmen Geruch.

Der Ingwer wird durch Saamen, am besten durchZertheilung der Wurzeln fortgepflanzt. Er liebt ei-

nen feuchte», sumpfigen Boden. Zu Anfang desFrühlings werden die Wurzeln in die Erde gelegt.Die Blumen öffnen sich im Monat September. GegenDecember sterben die Stengel ab und im folgendenJanuar müssen die Wurzeln herausgenommen wer-den. Wenn man länger damit wartet, so werden sieholzig.

Die Wurzel (weifscr Ingwer, Radix Zingiberisalbi) ist offizinell. Im Handel hat man zwey Sorten,den braunen oder gemeinen Ingwer (Zingiber com-mune s. nigrum s, vulgare) und den weifsen Ingwer.(Z-ingiber album.) Die Wurzeln der erstem Sorte sin4fest, dick, knotig, kornartig, rünzlich, bey zweyZoll lang, aufsen gelbgrau oder weifs grau und in-wendig rothgelb oder bräunlich. Die Wurzel desweifsen Ingwer ist gelblich weifs oder weifslichgrau,knollig fest und inwendig röthlich-gelb. Beyde Sortenkommen von derselben Pflanze, Sie sind nur dadurchverschieden, dafs die erstem vorher von Fasern undSchmutz gereinigten Wurzeln mit kochendem Wasserabgebrüht und dann schnell durch Ofenwärme, dieandern hingegen von der äufsern Rinde gereinigt unddann ohne Abbrühen sorgfältig anderfreyen Luft ge-trocknet werden. Beyde Sorten sind flach gedrückt,knotig, zuweilen fast bandförmig und auf dem Brucheglatt und harzig. Die besten Stücke sind die, welchefest, schwer, von starkem, angenehm aromatischemGerüche sind, und einen scharfen, feurigen Geschmackbesitzen. Wurmstichige,zerbrechliche,weiche, mürbe,sehr zascrige, leichte Stücke sind zum Arzncygebraucheuntauglich. Wir erhalten den meisten Ingwer ausJamaika. Für den besten hält man den Ostindischen,den von Malabar und Bengalen,

Abbildungen.

Flor du Dict. d. Scienc med. Livr, 5. pl. ä».

Plenk leon. pl. med» tab 1.

Jacquin Hort .Vindob. I. tab. 74»

Trattinik Archiv d. Gewächskunde, tab. 202.

Fischer Comment. Mosquens. Vol.I.Tab. 66. fig. D.

Rhede Hort. Malabar. XI. tab. 12.

Rumph. fl. Amboin. V. tab. 66. fig. I.

Erklärung der Platte.

Taf. Nro.

1. Die ganze Pflanze mit einem Blumenschafte, wedie unfruchtbaren Blattschäftel aber abgekürzt sind.

2. Eine einzelne Blumenkrone.

3. Eine Blumenkrone mit ihrem unten sitzenden Kelche.

4. Der in der Furche des Staubbeutels aufgenom-

mene Griffel.

5. Das dreyklappige Blatt des Honiggefäfses.

6. ) Die einem Finschnitte der Blumenkrone ähnli-

7. 3 eben Staubfäden, die über den Staubbeutel hin-

aus noch verlängert sind.

8. Ein Fruchtknoten.g. Eine Frucht.