342 Erster Teil. III. Kap. Abfall vieler Benediktinerabteien.
brachte, konnten wir schon früher mit gutem Grund vermuten.')Durch die inzwischen aufgefundenen Dokumente vom Jahre 1467erfahren wir nunmehr aus dem Munde des Markgrafen selbst, dasser wirklich bei Gelegenheit seiner Anwesenheit auf dem Fürsten-kongress von Pius II. die Säkularisation Ellwangens als eine per- 5BÖnliche Gunstbezeigung für sich erbeten und erlangt bat. 2 )Weniger klar liegt die Frage, was Albrecht zu seinem Eingreifenin diese, ihn wenigstens nicht direkt berührende Angelegenheitbewogen bat. Vielleicht waren es die Bitten der schwäbisch-fränkischen Ritterschaft, vielleicht ein Auftrag des Hebirinvogts, mit 10dem er ja enge Beziehungen unterhielt. 8 )
Der Mitwirkung des Grafen Ulrich V. von Württembergbei der Säkularisation des seinem Schirm anvertrauten Stifts wirdauffallenderweise in den Quellen nirgends gedacht; und doch wäreohne sie der günstige Verlauf der Angelegenheit einlach undenkbar. 15Indirekt dürfen wir sein Einverständnis und seine Beihilfe aus demUmstand erschliessen, dass ihm und seinen Nachfolgern durch dieSäkularisationsbulle das Präsentationsrecht auf die zwei zuerst inErledigung kommenden Kanonikatspräbenden an dem zu errichten-den Kollegiatstift zugestanden wurde, während die Grafen von 20Württemberg bis dabin kein derartiges Recht besessen hatten.Dieses Zugeständnis war wohl der Preis, durch den Graf Ulrich,der doch „in seinem Lande kein Kloster" haben wollte, „dasnicht reformiert" wäre, 1 ) für die Unterstützung des seinen per-
>) Oben S. 16, 7—14; vgl. S. 21, 11.
2 ) Oben S. 285 f.
8 ) Chr. Fr. von Stalin, Wirtemberg. Geschichte III, 6101
') Ruthen b avisier, Abteien und Stifte S. 178. Unter Ulrichs Mitwirkungwurden die Benediktinerklöster Lorch (1472) und Alpirsbach (hier seit 1451wiederholte Bemühungen ohne durchgreifenden und nachhaltigen Erfolg) refor-miert; vgl. Rothenhäusler S. 107 und 147 1t'.; Stalin, Wirt. Gesch. III, 743. —Auf Bitten desselben Grafen wurde, aber 1477 durch Papst SixtUS IV. das regulierteAugustinerchorherrnstift Backnang in ein weltliches Kollegiatstift umgewandelt(oben S. 335 s ). Die Erklärung für Ulrichs Verhalten gibt das ihm und seinenNachfolgern zugestandene Präsentationsrecht auf die Propstei und sämtlichePräbenden des neuen Stifts (Rothenhäusler a. a. 0. S. 20:i). Aus demselbenBeweggrund gab später (1507) Herzog Ulrich seine Zustimmung zur geplantenUmwandlung des Klosters Murrhardt, zog sie jedoch nachträglich, da BeineForderungen von Rom nicht gewährt wurden, wieder zurück und verhinderte sodie Durchführung der von Papst Julius II. bereits genehmigten Säkularisation(Bothenhäusler a. a. 0. S. 119 f.). Eine eingehende Untersuchung der Kirchen-politik der württembergischen Grafen, besonders Ulrichs V.