308 Erster Teil. II. Kap. Reformbeweguhg im 15. Jahrhundert.
Klosters Lorch und einstige Offizial des Bischofs von Augsburg,Magister Nikolaus Vener, gewidmet hat. 1S )
Im weiteren Verlauf der Reformbewegung dagegen tritt dieAbtei Ellwangen, weit entfernt, nochmals eine entscheidende Rollezu spielen, ganz in den Hintergrund. Abt Siegfrieds Nachfolger,Johann (I.) von Holzingen (1427—1452), war nicht der Mann,der für eine Reform der klösterlichen Zucht Verständnis und Eifergehabt hätte. Gerade die einzigen schweren Exzesse, die von
'') Bandschriftlich erhalten in den Stiftsbibliotheken von Melk (Cod. 880[P. 18], lö.Jahrh., Fol. lsi -12 a) und Schottenin Wien (Cod. 152 [52. d. 8], 15. Jahrb..,Fol. 205a—213b; vgl. Catalogus codicum mscr. monasterii l>. M. V. ad ScotosVindobonae ed. Dr. I*. Albertus Hiibl O.S.B. [1899] p. 166). Ich gebe Überschriftund Widmung nach der Melker Hb.: „Compendium officialis episcopiAugust fratriH Nicolai dicti de Lorch. (Widmung) Venerabili inChristo patri et domino literarum scientia, discretione, magnanimitate et com-mendandis moribus multifonniter insignito, domino Syfrido abbati monasterii inEl-wangen ord. s. Benedicti Augustanaedioecesis sedi apostolice inmediate subiecti, Ro-niani imnerii principi religioso humilis frater Nicolaus Vener professus monasteriiin Lorch ord. et dioc. eorundem, olim officialis Augustensis, cum ferventi sui re-commendatione reverentiam omnimodam et hominis utriusque prosperitatem." Inder Wiener Ils. fehlt das „olim" vor „officialis." In der Melker lls. fehlt am Schlussder Schritt ein Satz. Die Wiener Hs. hat nach dem Explicit (Doxologie) nochfolgende (auf den Verfasser oder den Abschreiber bezügliche?) Verse:Hee scripta texuit quidam sorditate gravatus,Qui monachos amat, ad hoc caritate vocatus.Nach der ziemlich langen Einleitung scheint die Schrift dem Abt Siegfriedbald nach seinem Amtsantritt zugeeignet worden zu sein: neben dem unmittelbarpraktischen Zweck will sie ausgesprochenerraassen der Ordensreform dienen. —Die Vener waren ein angesehenes bürgerliches Geschlecht in SchwäbischGmünd (vgl. OAGmttnd S. 240 ff.; Kindler von Knobloch, Oberbadischea Ge-schlechterbuch [,846). Über zwei hervorragende Angehörige desselben: l. Rera-bold Vener von Gmünd (f 1408), Offizial in Strassburg, und 2. seinen Sohn .loh,[Jniversitätsprofessor in Seidelberg und speyerischer Offizial (f 1447), vgl.(',. Knod, Deutsche Studenten in Bologna [1899] S. 595 f. Herrn ArchivdirektorDr. von Schneider in Stuttgart verdanke ich die Mitteilung, dass ...MeisterNikolaus Vener, gewesener Offizial in Augsburg", in zwei Gmün-der Urkunden vom 27. Dezember 1411 und 27. April 1414 (ßepertorinm Gmünds. 1120 Büschel 821 bezw. S. 2863 Büschel 813), daseinemal als Zeuge, das anderemalals Schiedsrichter, genannt wird; obwohl Beziehungen ZU Kloster Lorch dabeinicht erwähnt sind, dürfen wir in ihm ohne Zweifel den Verfasser der fraglichenSchrift erblicken. Derselbe könnte auch mit dem „Juristen Meister Niclaus Veneriu Konstanz 1897", den Kindler von Knobloch a. a. 0. aufführt, identisch sein.Die Liste der Augsburger Offizialen bei Plac. Braun, Die Domkirche in Augs-burg (1820) S. 188 ff., beginnt erst mit Heinrich Neidhart von Ulm „um dasJahr 1410" (nach Knod a.a.O. S. 369 Nr. 2521 bereits 1407 August 23 bezeugt).