106 XII. Statuta Petri 1460.
Kap. 14. Item deinccps ad dccanatuni, custodiam et sco-lastviani non assumantur in ipsa ecclesia nisi canonici capitularesacta in sacerdocio constituti vel qui in proximis temporibus a iurestatutis valeant ad dyaconatus et deinde ad sacerdocii ordincs pro-moveri, viri graves et habiles sciencia et moribus, qui preesse etprodesse valeant in spiritualibus et temporalibus, quoniani in liystrilms personis alie persone ecclesie quottidie tanquam in speculovidcre habebunt, qualiter cos in domo Domini oporteat conversari.
Kap. 15. Item statuimus et ordinavimus, ut dccanus protempore existens oinncs negligencias chori et excessus ac erimina l()
Kap. 14. Die Amter des Dekans, Kustos und Scholastikus sollen nurKapitularen übertragen werden, die bereits Priester sind oder wenigstens anden nächsten kanonischen Weiheterminen die Diakonats- und Priesterweiheempfangen können (indirekt folgt hieraus, dass für die Aufnahme ins Kapitelder Subdiakonat Erfordernis war). Die Statuten lassen jedoch selbst Aus-nahmen zu, da in Kap. 9 und 11 die Möglichkeit vorgesehen ist, dass jemandKanonikat und Trübende gleichzeitig mit der Dekanei u. s. f. erlange.
Kap. 15. Rechte undF'fliehten desDekans. Anstatt debitis et congruislionorilms setzt die deutsche Übersetzung horis (Stunden) voraus : so verordnetauch das Konzil von Basel in dein Dekret: Quoraodo divinum officium in ec-clesria celebranda sit (sess. XXI cap. 3; Mansi XXIX, 105), an das sich unsereStatuten hier und im folgenden anschliessen, dass der Gottesdienst in Dorn-und Kollegiatkirchen liorin debitis gehalten rverde. Über die Zeit desChorgottesdienstes sind dem Libcr ceremoniarum, einem ausführlichen„Direktorium" der Stiftskirche aus der ersten Hälfte (Mitte) des 16. Jahrh.(Beschreibung der benutzten Handschrift s. unten bei Kap. 17), folgende Anga-ben zu entnehmen; es sei bemerkt, dass die Angaben der genannten Quelleausnahmslos den Zeitpunkt des Läutens zum Gottesdienst betreffen, dessentatsächlicher Beginn somit durchgehends eine Viertel- oder eine halbe Stundespäter anzusetzen ist. Das Officium nocturnum (Matutin und Landes) wurdein der Begel bei Anbruch des Tages, jedoch zu sehr verschiedenen Stunden(ohne dass der Grund für die Zeitbestimmung immer erkenntlich ist), gehalten.Um Mitternacht fand es nur noch an Weihnachten (an die Matutin schlössensich sofort das erste Amt — in galli cantu — und die Landes an; das zweiteAmt folgte in crepusculo — die Frühmesse fiel aus —, nach Terz und Sextdas (3.) Hochamt) und am Ostersonntag (verbunden mit der Auferstehungs-feier) statt; bis 1525 auch an den drei letzten Tagen der Karwoche, späterirurde es am Vorabend um */s6 Uhr antizipiert; vgl. die interessante historischeNotiz Fol. ätj": Matutinas fcres sequentea ncü. in Cena Domini, in die Paras-ceves, in Sabbato Sancto olim media nocte utputa circa horam duodeeimam de-cantatas libri nostri cliori ubique indicant. Attamen in fatali illa rusticorumconspirationo seditioneqne anno Domini 1525 exorta ad evitanda pericula variaac maxima tum: temporis ingruentia prehabito prius consilio ac cum consensu