Druckschrift 
Achte Lieferung (1825) Der Deutsche Staatenbund, und zwar der nordöstliche Theril der norddeutschen Staaten : I. Königreich Sachsen. IV. Großherzogthum Sachsen-Weimar. V. Herzogthum Sachsen-Gotha-Koburg. VI. Herzogthum Sachsen-Meiningen-Hildburghausen. VII. Herzogthum Sachsen-Altenburg. XIII. Herzogthum Anhalt-Dessau. XIV. Herzogthum Anhalt-Bernburg. XV. Herzogthum Anhalt-Köthen. XVI. Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen. XVII. Fürstenthum Schwarzburg-Rudolstadt. XVIII. Fürstenthum Reuß ältere Linie. XIX. Fürstenthum Reuß jüngere Linie
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

IV.*)

Das Großherzogthum S a ch s e n * W e i m a r » E i s e n a ch. **)

(liegt in drei abgesonderten Stücken und einer kleinen Parcelle zwischen 27° Zz/ bis 29" 5Z^ östl. Länge, und 50° 25^ bis 51° 27^ nördl, Breite.)

Flächeninhalt.

66,gs geographische f^j Meilen.

Volksmenge.

193,036 Einwohner (für 1827.)

Wohnplätze.

32 Städte, 12 Marktflecken, 430 Amtsdörfer, i 85 ^ Ge-richtsorte, 28 Großherzogliche Schlösser, i 85 Rittergüter, 53Cammergüter, 39,353 Häuser.

Boden.

Größtentheils Gebirgs, und Hügelland, jedoch sehr fruchtba-rer fetter Boden. Zn Süden und Südosten des EisenacherGebiets befindet sich dasLhüringer Waldgebirge, das sichan die Rhön lehnt. Der Ettersberg bei Weimar ist eine FortsetzungDieses Gebirges. Der höchste Punkt ist der Kückelhahn bei Ilme-nau, der an 2700 Fuß Höhe erreicht.

Flüsse.

i) Die Saale durchströmt nur das Land auf der östlichenSeite; 2) die Ilm, an der die Hauptstadt des Landes liegt; 3)die Elster durchströmt den Neustädterkreis; 4) die Werra be-findet sich im Eisenachschen, zu ihr gehören: die Felda, dieUlster, die Suhl, die Hörsel.

Gesundbrunnen.

Bei Berka und bei Ruhla.

Bewohner.

Diese sind, bis auf wenigeZuden, Deutscher Abkunft mit Thü-ringischer Mundart. Sie bekennen sich der Mehrzahl nach zurlutherischen Kirche.

Hauptzweige der Industrie.

Obschon dem Ackerbaue große Schwierigkeiten entgegen stehen,so liefert er doch Korn im Ueberfluß, besonders im Amte Allstedt;auch der Neustädterkreis ist sehr Getraidereich, nur die Eisena-cher Pflege steht hierinnen etwas zurück und nur Hafer wird indieser Gegend reichlich gebauet« Was den Gemüsebau anbc-langt, so erntet man vorzüglich Kopfkohl, Kartoffeln, Mohrrü-ben und Kohlrabi. Von Fabrikkräutern sieht man auf denFluren Flachs, Rübsaamen, Mohn, Hanf und Hopfen. DerObstbau ist sehr ergiebig und hicrinnen zeichnen sich Zwetschen,

*) Siehe die Charte von Norddeutschland.

**) Die statistischen Aahlenangaben sind größtentheils nach dem Staats-Handbuche des Großherzogthums Sachsen-Weimar-Eisenach für dasJahr 1327.

VIH. Heft.

Ostheimer Kirschen und Aepfel besonders aus. Der Wein-bau bei Jena und Kunitz ist ganz unbedeutend. Die holz-reichsten Gegenden befinden sich im Neustadkcrkreise und im AmteIlmenau. Der Bergbau nur bei Ilmenau auf Eisen, unge-fähr jährlich 7500 Centner, und auf Braunstein; bei Kammer-berg auf Steinkohlen, 11,000 Centner jährlich, und bei Kalten-nordheim auf Braunkohlen ist nicht von Erheblichkeit. Bei Kreutz-burg befindet sich eine Saline; wichtiger für das Land sind dieThvngruben und Sceinbrüchc. Die Hornviehzucht, ohne Aus-fuhrartikel zu seyn, zeichnet sich im Neustädteckreise und im Ei-scnachschcn aus. Mit großer Sorgfalt werden im Wcimarischcndie Schäfereien- betrieben, die gewonnene Wolle gehet zum Theilals Electoralwolle nach England. Eine der schönsten Merinos-schäfereien sicht man zu Obcrwcimar. Die Jagd zeichnet sichbesonders in Kleinwild aus; die Bienenzucht wird uur von Ein-zelnen betrieben.

Ku n st f l e i ß.

Bedeutende Anzahl von Handwerkern, weniger Fabrikbeschäf-tigung. Apolda zeichnet sich durch seine Strumpfwirkereien, Wei-mar durch Tuch- Drell- und Lcineweberei, Neustadt durch seineTuchwirkereien und Barchentwebereien, und das Eisenachsche durchBereitung von Chalons, Svy, Rasch, Tamie, Kamlott, Sammt,Leinen - und Wollenband, Wollcord, Fußteppiche, Mull- und Wa-tertwist aus. Die größten Töpfereien sind zu Bürgel. Holzwaa-ren, Pfeifenröhre , Messer und Holzkämme werden im Eisenachschengefertiget. Was das Brauwesen anbelangt, so werden beson-ders gute Biere zu Weimar, Obcrweimae und Schwerstedt berei-tet. Auf den größern Oekonomien findet mau stark betriebeneBranntweinbrennereien.

Handel.

Das Land liefert im auswärtigen Handel Getraide, Wolle, ge-trocknetes Obst, Wacholderbeeren, wollene Strümpfe, wolleneund baumwollene Zeuge, Barchent und leinene Maaren, Potasche,Töpferzeug, Ruhlaer, Eisenacher und Jlmenauer Fabricate, brauchtdagegen sehr viel andere Haushaltungs - und Luxusartikel. Eineeigentliche Handelsstadt findet man im Lande nicht, und nur Eise-nach und Ruhl treiben eigentliche Handelsgeschäfte, übrigens haben54 Ortschaften Jahrmarktsgcrechtigkeit.

Münzen.

In Cassensachen gilt der Convcntionsfuß, im gemeinen Lebenherrscht leichtes Courant, den Spcciesthaler zu 1 Rthlr. 10 gl. ge- j

rechnet. Zn den Aemtern Geiß, Dermbach, Ostheim und Kalten-nordheim findet der 24 Guldenfuß statt. Ausgeprägte Landes-münze findet man gewöhnlich nur als Scheidemünze. Die Münz-werkstatt befindet sich zu Eisenach.

M a a ß.

3) Längenmaaß. Die Sächsisch Leipziger Elle gleich zweiFuß. Die Ruthe hält 200O Pariser Linien, b) Fläch enma.Der Acker hält 140 HI Ruthen, jedoch wird die Ruthe bald zu10, bald zu 12, bald zu 14 Fuß lang angenommen, c) Kör,permaaß. a)Fruchtmaaß, dieses ist in Weimar, Eisenach,Jena und Apolda verschieden, der Weimarsche Scheffel hält 4490Pariser Kubiczoll. /DFlüssigkeitsmaaß, bei Wein das Ohm,bei Bier die Tonne; ein Ohm hält 2 Eimer, 1 Eimer 80 Boutcil-lcn, die Bouteillc 2 Nößel. ä) Gewicht. Dieses ist gewöhn-lich das Köllner.

Untcrrichtsanstalken.

Die mit Gotha - Koburg, Meiningen und Altenburg gemein-schaftlich besitzende Universität Jena. Die Akademie der zeich-nenden Künste zu Weimar. Die Gymnasien zu Weimar undEisenach. Das Landschullehrerseminar zu Weimar. Das Forst-lehrinstitut zu Ruhl. Die ökonomischen Anstalten zu Oberwei,mar, Lützendorf und Tiefurt. Die Hebammenschule zu Jena undEisenach. Außerdem zählt Man noch 69 Bürgerschulen, Z43Landschulen und 2 Schullehrerseminarien.

Wohlthätigkeitsanstalten und Versorgungs-häuser.

Das Waiseninstitut zu Weimar, das Waiseninstitut zu Eise-nach, die Irrenanstalt zu Jena, die Zuchthäuser zu Weimar undEisenach, und das Leih - und Pfandhaus zu Eisenach.

Staatsverfassung.

Das Großherzvgthum bildet einen Theil des Deutschen Bun-des und hat mit den übrigen regierenden Häusern Sachsen Er-nestinischer Linie die I2te Stelle, führt aber im Pleno eine eigneStimme. Die Landesverfassung ist repräsentativ. Das dieserhalbzum Grunde liegende Gesetz ist vom Z. Mai 1316. Die Ständetheilen sich in drei Abheilungen: Rittergutsbesitzer, Städte undBauern. Diese drei Klassen senden Abgeordnete zur allgemeinenLandesvcrsammlung, die ordnungsmäßig alle drei Jahre stattfindetund eine Cammer bildet, und zwar die Rittergutsbesitzer n, mitEinschluß eines Deputaten der Universität Jena, die Städte io

18