Ktlrprinz von Bayern. 29
Schähe HLufte. Die Königin war eine Schwester der Kaieferin, zugleich aber auch, wie diese. Schwester de» Kurfürstenvon der Pfalz, folglich Verwandt« des Kurfürsten von Bayern,und mit ihm aus einem Hause. Wiewohl zwischen den dey«den kurfürstlichen Linien, seit der böhmischen Geschichte, diegrößte Entzweiung herrschte; so glaubte man doch daß dieallgemeine Liebe für ihr HauS dießmal die Rücksicht auf ihrenächsten Anverwandten verdrängt, und daß die Königin aufVeranlassung der Berlepsch sehr viel zu dieser Dispositiondes Königs beygerragen habe. Er machte rin Testament,worin er zum alleinigen Erben aller seiner Kronen und Staatten den Kurprinzen von Bayern, de« erst sieben Zahr altwar, einsetzte. Seine Mutter, die gestorben war, wareinzige Tochter erster Ehe des Kaisers Leopold und Margaretthen Theresiens, der Schwester des Königs von Spanien,beyde die einzigen Kinder zweyter Ehe Philipps IV. mitder Tochter des Kaisers Ferdinand HI., die einzigen, sagich, ipeij die übrigen alle unvermahlt gestorben sind. DieKönigin von Frankreich, Gemahlin unsres Königs, waraus demselben Grunde einzige Tochter erster Ehe desselbenPhilipp IV. mir einer Tockier des französischen Königs Heinerich IV., und also vom Vater Her älteste Schwester des KLenigs von Spanien und der Kaiserin, Mutter der Kursürstinvon Bayern, deren Sohn, zu Gunsten desselben das Testa«ment gemacht war, in der That der wahre Erbe der spani-schen Monarchie war, wenn man nämlich die EntsagungFrankreichs bey der Vermählung des Königs und im Pyrenäi,scheu Frieden in Betracht nimmt.
Sobald das Testament gemacht war, entdeckte es derKardinal Protocarrero dem Marquis Harcourk welcher so-gleich Zguiville mit dieser Neuigkeit an den König abschickte.Dieser zeigte weder damals, noch später, als die Nachrichtallgemein wurde, die geringste Unzufriedenheit; auch derKaiser war ganz ruhig. Er hoffte wohl noch diese unge-heuere Erbschaft an seine Familie zu bringen und so alleStaaten seines Hauses in ihr zu vereinigen; aber seineMaaßregeln waren die gewöhnlichen, deren er sich auch vorkurzem bedient harte, wie wir gesehen haben, um die Toch-ter Monsieurs aus dem Wege zu ränmen. Der Kurprinzvon Bayern starb plötzlich, am ersten Februar, und keinMensch zweifelte, baß der Wiener Hof dabey im Spiel ge,
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