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Zweyte Abtheilung, Funfzehnter Band (1798)
Entstehung
Seite
439
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war nicht mehr viele Zeit zu versäumen. Der Günstling, seinBruder Cadenct, der mehr Entschlossenheit und Bosheitäußerte als Luvnes selbst, mit ihnen der listige D eag ea n tund andere Anhänger bestürmten das Gemüth des jungen,furchtsamen Königs so heftig und anhaltend, bis er in dieErmordung des Marschalls willigte. Dieser Unglückliche, dererst neulich aus der Nonuanoir zurückgekommcn war, war sodreist, daß er alle Warnungen verachtete. Die Königin»Mutter war eben so sorglos- Wan trauet; nicht einmal derkleinen Seele des Herrn von L n Y n c s eine Unternehmung vonsolcher Wichtigkeit zu.

Nur der Bischof von Litton, damals bereits Staatsse»cretair durch die Königin» Regentinn is. unfern Text S. ;rz.)sah schärfer. Er hatte sich dem Marschall ergeben, in der Ab»sicht, sich noch höher als sein Wohithäter zu schwingen; undso bald er werkle, wie uncrmüdct dessen Feinde gegen ihnarbeiteten, suchte er sich so zu sichern, daß er nicht zugleichmit ihm fasten müßte- Zn der Stille ließ er den Herrn vonLuynes durch seinen Schwager Pontcourlai, einen brertagmschen Edelmann, seiner Ergebenheit versichern, und er»bol sich, ihm und dem König die geheimsten Anschläge derKönigin» Mutter mitzuthcilen. Dics würkte so gut, das; ihnder König durch Luyncs dis'Fortdauer seiner Bedienungenhoffen ließ. Da, nach der Niedermezlung des Marschalls,sogleich die alten Staatsminister zurückberufen wurden; so eil.ten Villeroi und Zeannin zuerst herbey und empfingenvom König tausend Liebkosungen. Richelieu fand sich durchseineji vorhin envehnrcn Kunstgriff gedeckt. Der König undL u y n e s verlangten, daß er dem Staatsrath bepwohnen soll»1e. Listiger als sie und wahrscheinlich von der Festigkeit ihresRegiments im Grgcnsaz gegen die Königin» Mutter noch nichtüberzeugt, that er weiter nichts, a!s daß er sich zeigte, undnahm keinen Theila» den Berathschlagungen. Dadurch wurde«r selbst zweydeutig und verdächtig. Den alten Ministern mußteer ohnehin ein verhaßter Nebenbuhler seyn. Er verstund schnellseine Lage und ergriff seine Parthei; nicht etwa in seine Diö»ces nach Poitou zu gehn, sondern bey der Königin» Mut»tcr zu bleiben, die sich über kurz oder lang wahrscheinlich wie»der empor schwingen müßte. Auf alle Falle konnte er sich beymKönig und dessen Günstling nothwendiger machen, wenn

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