am besten, sondern die euch von allen Wegen abführen,die Verführer. Aber, wenn solch Gelüsten an euchwirklich ist, so dünkt es mich trotzdem unmöglich.
Furcht nämlich — das ist des Menschen Erb- undGrundgefühl; aus der Furcht erklärt sich Jegliches, Erb-sünde und Erbtugend. Aus der Furcht wuchs auchmeine Tugend, die heisst: Wissenschaft.
Die Furcht nämlich vor wildem Gethier — die wurdedem Menschen am längsten angezüchtet, einschliesslichdas Thier, das er in sich selber birgt und fürchtet: —Zarathustra heisst es „das innere Vieh“.
Solche lange alte Furcht, endlich fein geworden,geistlich, geistig — heute, dünkt mich, heisst sie:Wissenschaft.“ —
Also sprach der Gewissenhafte; aber Zarathustra, dereben in seine Höhle zurückkam und die letzte Rede ge-hört und errathen hatte, -warf dem Gewissenhaften eineHand voll Rosen zu und lachte ob seiner „Wahrheiten“.„Wie! rief er, was hörte ich da eben? Wahrlich, michdünkt, du bist ein Narr oder ich selber bin’s: und deine„Wahrheit“ stelle ich rucks und flugs auf den Kopf.
Furcht nämlich — ist unsre Ausnahme. Mutli aberund Abenteuer und Lust am Ungewissen, am Ungew T agten,
— Muth dünkt mich des Menschen ganze Vorgeschichte.
Den wildesten muthigsten Tliieren hat er alle ihreTugenden abgeneidet und abgeraubt: so erst wurde er
— zum Menschen.
Dieser Muth, endlich fein geworden, geistlich,geistig, dieser Menschen-Muth mit Adler-Flügeln undSchlangen-Klugheit: der, dünkt mich, heisst heute —“
440