Druckschrift 
14 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 6 (1904) Unveröffentlichtes aus der Umwerthungszeit : (1882/83 - 1888)
Entstehung
Seite
412
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Dies ist gesagt, um zu erklären, warum es schwerist, solche Schriften wie die meinigen zu verstehen: dieinneren Erlebnisse, Werthschätzungen und Bedürfnissesind bei mir anders. Ich habe Jahre lang mit MenschenVerkehr gehabt und die Entsagung und Höflichkeit soweit getrieben, nie von Dingen zu reden, die mir amHerzen lagen. Ja ich habe fast nur so mit Menschengelebt.

290.

Wird es überhaupt noch Philosophen geben? Odersind sie überflüssig? Es ist genug jetzt als Überrest vonihnen in Fleisch und Blut von uns allen. Man wirdauch keine Religionsstifter mehr haben: es sterben diegrössten Thiere aus. Dagegen sage ich:

291.

Eine Philosophie, welche nicht verspricht, glücklicherund tugendhafter zu machen, die es vielmehr zu verstehengiebt, dass man in ihrem Dienste wahrscheinlich zu Grundegeht, nämlich in seiner Zeit einsam' wird, verbrannt undabgebrüht, durch viele Arten von Misstrauen und Hasshindurch muss, viele Härte gegen sich selber und leiderauch gegen Andere nöthig macht: eine solche Philosophieschmeichelt sich Niemandem leicht an: man muss für siegeboren sein und ich fand noch Keinen, der es war(sonst würde ich keine Gründe haben, dies zu schreiben).Zum Entgelt verspricht sie einige angenehme Schauder,wie sie Dem kommen, der von ganz hohen Bergen auseine Welt neuer Aspecte sieht; und sie macht nicht amEnde blödsinnig, wie es die Wirkung des KantschenPhilosophirens war.