liehe des Fühlens und Denkens ist, dass es Irrthümer(„Realitäten") ansetzen muss: —
Es giebt Fühlen und Denken: wie ist es aber in derWelt des Werdens nur möglich? — Die negativenEigenschaften Oberflächlichkeit, Stumpfheit der Sinne,Langsamkeit des Geistes haben sich in positive Kräfteverwandelt (— das Böse ist auch hier der Ursprungdes Guten). Ein Bild setzen, fertig machen, aufGrund weniger Indicien; Etwas als bleibend setzen,weil man die Veränderung nicht sieht. Die Fähigkeit,zu leben, begünstigt durch diese dichtende Kraft.
ioo.
Der Glaube an das „Sein“ ist die Grundlage allerWissenschaft, wie alles Lebens. Damit ist Nichts überdie Berechtigung zu diesem Glauben ausgemacht; Fehl-griffe der Sinne (blau statt roth) sind kein Argumentdagegen, dass ein Blatt grün ist. Die Entstehung einesfarbenbildenden Sinnes in einer farblosen Welt ist einUnsinn von Gedanke. Beschreibung und Feststellung derThatsachen.
101.
Vielleicht ist Das, was wir als das Gewisseste fühlen,am entferntesten vom „Wirklichen“. Im Urtheile stecktein Glaube „so und so ist es“; wie? wenn gerade dasGlauben selber die nächste Thatsache wäre, die wirfeststellen können! Wie ist Glauben möglich??
102.
Kein idealistischer Philosoph lässt sich über seinMittagessen täuschen, als sei es nur eine perspectivischeund von ihm ausgedachte Erscheinung.