Druckschrift 
14 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 6 (1904) Unveröffentlichtes aus der Umwerthungszeit : (1882/83 - 1888)
Entstehung
Seite
36
Einzelbild herunterladen
 

«tWWRKSWttiSi

36

73 -

Das, was gemeinhin dem Geiste zugewiesen wird,scheint mir das Wesen des Organischen auszu-machen: und in den höchsten Functionen des Geistesfinde ich nur eine sublime Art der organischen Functionen(Assimilation, Auswahl, Secretion u. s. w.).

Aber der Gegensatzorganisch unorganischgehört ja in die Erscheinungswelt!

! : a

74 -

Wenn ich Etwas von einer Einheit in mir habe, soliegt sie gewiss nicht in dem bewussten Ich und demFühlen, Wollen, Denken, sondern wo anders: in der er-haltenden, aneignenden, ausscheidenden, überwachendenKlugheit meines ganzen Organismus, von dem mein be-wusstes Ich nur ein Werkzeug ist. Fühlen, Wollen,Denken zeigt überall nur Endphänomene, deren Ursachenmir gänzlich unbekannt sind: das Aufeinanderfolgen dieserEndphänomene, wie als ob eines aus dem andern folge,ist wahrscheinlich nur ein Schein: in Wahrheit mögenvielleicht die Ursachen solchergestalt an einander gebun-den sein, dass die Endursachen mir den Eindrucklogischen und psychologischen Verbandes machen. Ichleugne, dass ein geistiges oder seelisches Phänomendirecte Ursache ist von einem andern geistigen oderseelischen Phänomen: ob es gleich so scheint. Diewahre Welt der Ursachen ist uns verborgen:sie ist unsäglich complicirter. Der Intellect und dieSinne sind ein vor allem vereinfachender Apparat.Unsere falsche, verkleinerte, logisirte Welt derUrsachen ist aber die Welt, in welcher wir leben können.