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15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
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Gunsten des Lebens. Die Philosophen haben nie gezögert,eine Welt zu bejahen, vorausgesetzt, dass sie dieser Weltwiderspricht, dass sie eine Plandhabe abgiebt, von dieserWelt schlecht zu reden. Es war bisher die grosseSchule der Verleumdung: und sie hat so sehr im-ponirt, dass heute noch unsere sich als Fürsprecherindes Lebens gebende Wissenschaft die Grundposition derVerleumdung acceptirt hat und diese Welt als schein-bar, diese Ursachenkette als bloss phänomenal handhabt.Was hasst da eigentlich? . . .

Ich fürchte, es ist immer die Circe der Philo-sophen, die Moral, welche ihnen diesen Streich gespielt,zu allen Zeiten Verleumder sein zu müssen . . . Sieglaubten an die moralischenWahrheiten, sie fandenda die obersten Werthe, was blieb ihnen übrig,als, je mehr sie das Dasein begriffen, umsomehr zuihm Nein zu sagen? . . . Denn dieses Dasein ist un-moralisch . . . Und dieses Leben ruht auf unmora-lischen Voraussetzungen: und alle Moral verneint dasLeben.

Schaffen wir die wahre Welt ab: und um dieszu können, haben wir die bisherigen obersten Wertheabzuschaffen, die Moral ... Es genügt nachzuweisen,dass auch die Moral unmoralisch ist, in dem Sinne,in welchem das Unmoralische bis jetzt verurtheilt wordenist. Ist auf diese Weise die Tyrannei der bisherigenWerthe gebrochen, haben wir diewahre Welt abge-schafft, so wird eine neue Ordnung der Werthe vonselbst folgen müssen.

Die scheinbare Welt und die erlogene Weltist der Gegensatz. Letztere hiess bisher diewahreWelt, dieWahrheit,Gott. Diese haben wir abzu-schaffen.