Druckschrift 
15 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 7 (1901) Der Wille zur Macht : Versuch einer Umwerthung aller Werthe ; (Studien und Fragmente)
Entstehung
Seite
155
Einzelbild herunterladen
 

155

i6i.

Man soll es dem Christenthum nie vergeben, dass essolche Menschen wie Pascal zu Grunde gerichtet hat.Man soll nie aufhören, eben Dies am Christenthum zubekämpfen, dass es den Willen dazu hat, gerade diestärksten und vornehmsten Seelen zu zerbrechen. Mansoll sich nie Frieden geben, solange dies Eine nochnicht in Grund und Boden zerstört ist: das Ideal vomMenschen, welches vom Christenthum erfunden wordenist, seine Forderungen an den Menschen, sein Nein undsein Ja in Hinsicht auf den Menschen. Der ganze ab-surde Rest von christlicher Fabel, Begriffs-Spinnewebereiund Theologie geht uns Nichts an; er könnte nochtausend Mal absurder sein, und wir würden nicht einenFinger gegen ihn auf heben. Aber jenes Ideal bekämpfenwir, das mit seiner krankhaften Schönheit und Weibs-Verführung, mit seiner heimlichen Verleumder-Beredsam-keit allen Feigheiten und Eitelkeiten müdgewordenerSeelen zuredet — und die Stärksten haben müde Stunden —,wie als ob alles Das, was in solchen Zuständen am nütz-lichsten und wünschbarsten scheinen mag, Vertrauen,Arglosigkeit, Anspruchslosigkeit, Geduld, Liebe zu seinesGleichen, Ergebung, Hingebung an Gott, eine Art Ab-schirrung und Abdankung seines ganzen Ichs, auch ansich das Nützlichste und Wünschbarste sei; wie als obdie kleine bescheidene Missgeburt von Seele, das tugend-hafte Durchschnittsthier und Heerdenschaf Mensch nichtnur den Vorrang vor der stärkeren, böseren, begehr-licheren, trotzigeren, verschwenderischeren und darum hun-dertfach gefährdeteren Art Mensch habe, sondern geradezufür den Menschen überhaupt das Ideal, das Ziel, dasMaass, die höchste Wünschbarkeit abgebe. Diese Auf-