Verlag- von C. G. NAUMANN in Leipzig.
Dr. Mathieu Schwann.
SOPHIA.
Sprossen
Philosophie
Lebens.
Gross 8°. 16 Bogen. Brosch. Mark 4.—, geb. 5.50.
Egoismus — Altruismus, Aristokratie — Demokratie, Individualismus— Socialismus, Jugend — Alter, u. s. w. — lauter Schlagworte unsererbewegten Zeit! Schaaren von Kämpfern ziehen aus und sammeln sichnach irgend einer gegebenen Parole! Aber wo bleibt der Mensch selbst,fragt man sich bei diesem Beginnen.
Von all den theoretischen Spiegelfechtereien und Argumenten, welchefür das eine oder andere „Princip“ in’s Feld geführt werden, um die hartePraxis zu legitimiren, streicht das Leben schliesslich mindestens die Hälftewieder aus! Das brachte den Autor auf die Frage, wieso das Leben dazukomme, und seine ernste Beschäftigung mit der Geschichte wie der psycho-logischen Entwickelung des Einzelnen Hessen ihn seine Antwort finden;der wissenschaftliche Begriff der „Entwickelung“ wurde vor seinem Augelebendig, er erkannte die Gleichartigkeit im Werden des Einzelnen, wieder Massen und Völker. Die Verschiedenheit der Lebensalter, der soge-nannten Kulturgrade, und die Verschiedenheit der Bedingungen und Lebens-verhältnisse dieser Alter gab ihm den Schlüssel zu seiner Erken ntniss; dasLeben ist nur durch Leben zu verstehen, nur durch Leben zu erklären! Nichtauf abstrakt theoretischem Wege, sondern auf demjenigen lebendig prüfenderWelt- und Lebensbetrachtung bot sich ihm der Ausblick in die Zukunft.
Stark und fest auf dem Boden unserer Erde stehend, ruft er vonseinem Aussichtspunkte un ä zu: Die letzte und schönste Aussicht des Men-schen ist der Mensch; ihn zu suchen ist unsere erste und letzte Aufgabe.Wer sich blenden lässt durch die kühne Reizung der Zwischenspiele, wie siein obigen Schlagwörtern verhüllt auftauchen, geht in die Irre. Zu unserenletzten Zielen drängt über alle Zwischenspiele hinaus der Menschenwille, zuihm lockt alle Menschensehnsucht, von ihm winkt alle „Erlösung“; und soschiebt sich in die rathlose Confusion der Vielerleiheit die Einheit hinein,die uns Ziel und Richtung giebt: die Einigkeit herstellt zwischen demPrivatziele des einzelnen Menschen und dem Allgemeinziele des Menschen;die Einheit, die wir haben müssen, sollen wir nicht haltlos und gehaltloshinweggeschwemmt werden von dem Wirbel des „Ueberflüssigen“.
Theorie der Geisteswerthe.
Gross 8°. IO 1 /, Bogen. Brosch. Mark 3.—, geb. Mark 4.25.
Kniepf fegt mit einem scharfen Besen, wird aber nicht nur denErfolg haben, dass man ihn liest. Er wird anregend auf alle künstlerischenGeister wirken.
Wir würden dem Verfasser und seinem Buche schweres Unrechtzufügen, wollten wir unterlassen, anzuerkennen, dass seine Kritik des kirch-lichen Dogmatismus allenthalben zutrifft. Hamburger Signale.
Albert Kniepf.