miteinander zu thun. Es wäre eine Geschichtschreibungzu denken, die keinen Tropfen der gemeinen empirischenWahrheit in sich hat und doch im höchsten Grade aufdas Prädicat der Objectivität Anspruch machen dürfte.Ja, Grillparzer wagt zu erklären: „was ist denn Geschichteanders, als die Art, wie der Geist des Menschen die ihmundurchdringlichen Begebenheiten aufnimmt;das, weiss Gott ob Zusammengehörige verbindet; dasUnverständliche durch etwas Verständliches ersetzt;seine Begriffe von Zweckmässigkeit nach Aussen einemGanzen unterschiebt, das wohl nur eine nach Innenkennt; und wieder Zufall annimmt, wo tausend kleineUrsachen wirkten. Jeder Mensch hat zugleich seine Se-paratnothwendigkeit, so dass Millionen Richtungen parallelin krummen und geraden Linien nebeneinander laufen,sich durchkreuzen, fördern, hemmen, vor- und rückwärtsstreben und dadurch für einander den Charakter desZufalls annehmen und es so, abgerechnet die Einwir-kungen der Naturereignisse, unmöglich machen, einedurchgreifende, Alle umfassende Nothwendiglceit des Ge-schehenden nachzuweisen.“ Nun soll aber gerade, alsErgebniss jenes „objectiven“ Blicks auf die Dinge, einesolche Nothwendigkeit an’s Licht gezogen werden! Diesist eine Voraussetzung, die, wenn sie als Glaubenssatzvom Historiker ausgesprochen wird, nur wunderliche Ge-stalt annehmen kann-; Schiller zwar ist über das rechteigentlich Subjective dieser Annahme völlig im Klaren,wenn er vom Historiker sagt: „eine Erscheinung nachder andern fängt an, sich dem blinden Ohngefähr, dergesetzlosen Freiheit zu entziehen und sich einem über-einstimmenden Ganzen — das freilich nur in seinerVorstellung vorhanden ist — als ein passendes Gliedeinzureihen.“ Was soll man aber von der so glaubens-
Druckschrift
1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
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333
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