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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
Entstehung
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es nur zur Toleranz, zum Geltenlassen des einmal nichtWegzuläugnenden, zum Zurechtlegen und maassvoll-wohl-wollenden Beschönigen, in der klugen Annahme, dass derUnerfahrene es als Tugend der Gerechtigkeit auslege,wenn das Vergangne überhaupt ohne harte Accente undohne den Ausdruck des Hasses erzählt wird. Aber nurdie überlegne Kraft kann richten, die Schwäche musstoleriren, wenn sie nicht Stärke heucheln und die Ge-rechtigkeit auf dem Richterstuhle zur Schauspielerinmachen will. Nun ist sogar noch eine fürchterliche Spe-cies von Historikern übrig, tüchtige, strenge und ehrlicheCharaktere aber .enge Köpfe; hier ist der gute Willegerecht zu sein, eben so vorhanden wie das Pathos desRichterthums: aber alle Richtersprüche sind falsch, unge-fähr aus dem gleichen Grunde, aus dem die Urtheilssprücheder gewöhnlichen Geschwornen - Collegien falsch sind.Wie unwahrscheinlich ist also die Häufigkeit des histo-rischen Talentes! Um hier ganz von den verkappten Ego-isten und Parteigängern abzusehn, die zum bösen Spiele,das sie spielen, eine recht objective Miene machen. Ebensoabgesehn von den ganz unbesonnenen Leuten, die alsHistoriker im naiven Glauben schreiben, dass gerade ihreZeit in allen Popularansichten Recht habe, und dass dieserZeit gemäss zu schreiben so viel heisse, als überhaupt ge-recht zu sein; ein Glaube, in dem eine jede Religion lebt,und über den, bei Religionen, nichts weiter zu sagen ist.Jene naiven Historiker nennenObjectivität das Messenvergangner Meinungen und Thaten an den Allerwelts-Meinungen des Augenblicks: hier finden sie den Kanonaller Wahrheiten; ihre Arbeit ist, die Vergangenheit derzeitgemässen Trivialität anzupassen. Dagegen nennen siejede Geschichtschreibungsubjectiv, die jene Popular-meinungen nicht als kanonisch nimmt.