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1 : Abth. 1 (1899) Unzeitgemässe Betrachtungen : erstes bis viertes Stück. - 4./5. Tsd. Die Geburt der Tragödie
Entstehung
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Schrei hörten „der grosse Pan ist todt“: so klang esjetzt wie ein schmerzlicher Klageton durch die hellenischeWelt: „die Tragödie ist todt! Die Poesie selbst ist mitihr verloren gegangen! Fort, fort mit euch verkümmerten,abgemagerten Epigonen! Fort in den Hades, damit ihreuch dort an den Brosamen der vormaligen Meistereinmal satt essen könnt!“

Als aber nun doch noch eine neue Kunstgattungaufblühte, die in der Tragödie ihre Vorgängerin undMeisterin verehrte, da war mit Schrecken wahrzunehmen,dass sie allerdings die Züge ihrer Mutter trage, aberdieselben, die jene in ihrem langen Todeskampfe ge-zeigt hatte. Diesen Todeskampf der Tragödie kämpfteEuripides; jene spätere Kunstgattung ist als neuereattische Komödie bekannt. In ihr lebte die entarteteGestalt der Tragödie fort, zum Denkmale ihres überausmühseligen und gewaltsamen Hinscheidens.

Bei diesem Zusammenhänge ist die leidenschaftlicheZuneigung begreiflich, welche die Dichter der neuerenKomödie zu Euripides empfanden; so dass der Wunschdes Philemon nicht weiter befremdet, der sich sogleichaufhängen lassen mochte, nur um den Euripides in derUnterwelt aufsuchen zu können: wenn er nur überhauptüberzeugt sein dürfte, dass der Verstorbene auch jetztnoch bei Verstände sei. Will man aber in aller Kürzeund ohne den Anspruch, damit etwas Erschöpfendes zusagen, dasjenige bezeichnen, was Euripides mit Menanderund Philemon gemein hat und was für jene so aufregendvorbildlich wirkte: so genügt es zu sagen, dass der Zu-schauer von Euripides auf die Bühne gebracht wordenist. Wer erkannt hat, aus welchem Stoffe die prome-theischen Tragiker vor Euripides ihre Helden formtenund wie ferne ihnen die Absicht lag, die treue Maske