355
in Bewegung, wenn eine werthgeschätzte Vorstellung imGehirn aufgestiegen ist: es ist ein regelmässiges Nach-einander, nicht Ursache und Wirkung, so wenig etwa,als ein Wort die Ursache des Begriffs ist, welcher beiseinem Erklingen in uns erscheint. — Wollende Zeitalterwaren bis jetzt immer gedankenarm, aber nothwendig istdies nicht.
5 : 5 -
Die Menschen gehen an der Verfeinerung desIntellects zu Grunde: physisch und vielleicht auchmoralisch. — Wir Glücklichen! Wir sind in dem Reichder Mitte!
516.
Für die bisweilen sichtbar werdende Verdüsterungder Welt giebt es folgende Veranlassungen: erstens dieKreuzung der Culturen, aus welcher viel Hässlichkeit ent-steht: der beständige Anblick des Hässlichen macht düster;zweitens die moralische Phantastik des Christenthums,welche den menschlichen Handlungen nur die bösenPrädicate gelassen hat und eine Verherrlichung von Leben,Menschen, Handlungen eigentlich unmöglich machenwollte: wenn man niemals verherrlichen darf, wird mandüster; drittens das Barbarische und Thierhafte, das unszeitlich noch nicht fern genug liegt; viertens die Angstvor dem Individuellen und die Beargwöhnung desselben,weil die Gesellschaft ihrer selber nicht mehr sicher ist;fünftens die Angst vor dem Natürlichen, welche an dieStelle der früheren Angst vor der Natur getreten ist;sechstens die Vergleichung des Lebens mit imaginärenSeligkeiten, von denen das Christenthum und die Dichtergesprochen haben; siebentens das übertriebene Gefühl
23