344
als die Muse, welche sie begeistert. Sieht man sie dannin ihren Erholungen, so sind sie ganz leer, sie habenkeine Kraft daran zu verschwenden und ziehen dasFadeste vor. Es wäre sehr unbillig, darnach die Zeitzu beurtheilen: sie giebt im Vergnügen und der Erholungnicht sich ganz, geschweige denn ihren besten Theil zuerkennen. So sei man tolerant gegen ihre Kunst, undbedaure die höheren Künstler, denen die Zeit nicht ent-spricht, wahrlich nicht, weil sie ihrer unwürdig wäre.Das beurtheilt man als Jüngling falsch.
4. Dichtkunst.
487.
Die Novelle wirkt stärker als das aufgeführte Schau-spiel, weil sie sich der Historie gleichstellt; während dasSchauspiel die Illusion fortwährend zerstört; gesetzt einSchauspieler bringt sie hervor, dann zerstört sie einanderer, und jedenfalls das Theater und die Menschenum uns. Wie matt, wie wenig überzeugend ist Mozart’sDon Juan gegen Merimee’s Don Juan! Dann sind wirbeim Erzählenhören viel thätiger als beim Anschauen,letzteres erzeugt den Hang zu kritisiren viel öfter. DieMusik wirkt, als fortwährende Begleitung, unter allenUmständen abziehend und störend; auch die beste Musiklangweilt zu oft.
488.
Zu den Trostmitteln der leidenschaftlichen und unge-bändigten Charaktere gehört die Tragödie; sie räth an,Ruhe und innere Freiheit nur jenseits der Welt zu er-warten. Damit beseitigt sie vorübergehend die moralische'Unzufriedenheit solcher Naturen mit sich; denn sie scheint