V.
Religion.
i. Allgemeines.
395 -
Hat die Menschheit dasselbe Verfahren, wie diegriechischen Künstler, welche, um einen Gott auszu-drücken, ihren Statuen das Allzumenschliche der Muskelnu. s. w. nahmen? die sämmtlichen Details Wegnahmen?Ist der grosse Mensch ein Mensch, dessen Details hin-weggedacht werden, vermöge der zwingenden, ver-götternden Gewalt seines Ganzen? Ist so die Tugendentstanden, dass man das Mikroskop des Blicks abwandte,also unredlicher sah? Ist so die Gottheit vom Menschengebildet, dass er immer mehr Menschliches übersah?
396 -
Es herrscht immer noch die Neigung, alle hochge-schätzten Dinge und Zustände auf eine noch höhereUrsache zurückzuführen: so dass diese Welt hoher Dingegleichsam ein Abglanz einer noch höheren sei. Es scheintalso die Verminderung einer Eigenschaft den Menschennatürlicher als eine Steigerung: „das Vollkommene kannnicht werden, sondern nur vergehen“, ist eine uralteHypothese. Erinnerung an eine frühere, bessere Welt(Präexistenz), oder Paradies im Anfänge, oder Gott als