254
230.
Die Asceten erlangen ein ungeheures Gefühl vonMacht; die Stoiker ebenfalls, weil sie sich immer sieg-reich, unerschüttert zeigen müssen. Die Epicureer nicht;sie finden das Glück nicht im Gefühl der Macht übersich, sondern der Furchtlosigkeit in Hinsicht auf Götterund Natur; ihr Glück ist negativ (wie nach Epicur dieLust sein soll). Gegen die Gefühle der Macht ist dasNachgeben gegen angenehme Empfindungen fast neutralund schwach. Ihnen fehlte die Herrschaft über die Naturund das daraus strömende Gefühl der Macht. Die Er-kenntnis war damals noch nicht aufbauend, sondern sielehrte sich einordnen und still geniessen.
231-
Das Gefühl der Lust der Ergebung ist vielleichtweiblich, — und beider Gefühle sind beide Geschlechterfähig, aber ein Überschuss in jedem besonders. Gottweiss, mit welchen Eigenheiten der geschlechtlichenweiblichen Function es zu thun haben mag, dass ihresinnliche Erregung nicht wesentlich als Wille der Machtsich äussert: beherrscht werden, dienen. Sie fühlen sichschwächer durch die Liebe. Die Ernährung des Eierstockesfordert Kraft ab.
232.
Der Mönch, der sich entweltlicht, durch Armuth,Keuschheit, Gehorsam, der namentlich mit der letzterenTugend, aber im Grunde mit allen dreien auf den Willenzur Macht Verzicht leistet: er tritt nicht sowohl aus der„Welt“ als vielmehr aus einer bestimmten Cultur heraus,welche im Gefühl der Macht ihr Glück hat. Er tritt in