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192.
Künstler könnten die glücklichsten Menschen sein,denn ihnen ist es erlaubt, das Vollkommene zu erzeugenals Ganzes und sogar oft: während die Anderen immernur an kleinen Theilen eines Ganzen arbeiten. Aber dieKünstler verwöhnen sich durch den Anblick des Voll-kommenen, Ganzen und fordern es auch sonst. Sie machenhöhere Ansprüche, sind neidisch, haben sich nicht ge-wöhnt sich zu beherrschen, sind dünkelhaft im Urtheil;und mitunter fehlen ihrem Schaffen die geniessenden undlobenden Empfänger.
193 -
An der Art, wie das Genie bewundert, erkennt manleicht, ob es einem wilden Baume ungebändigter Selbst-sucht aufgepfropft ist — in diesem Falle bewundert esan den Grössen früherer Zeiten sehr prunkvoll die eigenenGlanzseiten vereinzelt, es dreht nur jene Seiten an’s Licht,es wirft einen Schatten auf die anderen — oder aber: obes einem veredelten Baume als ebenbürtig erwuchs: dannliebt es das, was mehr und anders ist als bei ihm: wieGoethe.
194.
So begabte Wesen, wie ich sie mir als Genie’s vor-stellte, haben nie existirt.
195 -
Wenn Genie’s unangenehme, ja schlechte Eigen-schaften haben, so muss man ihren guten Eigenschaftenum so dankbarer sein, dass sie in solchem Boden, mitdieser Nachbarschaft, bei solchem Clima, solchem Wurm-frass doch diese Früchte zeitigten.