Verlag von C. G. NAUMANN in Leipzig.
Isabelle Freifrau von Ungern-Sternberg.
Nietzsche im Spiegelbilde seiner Schrift.
Mit 2 Kunst- und 29 graphologischen Beilagen.
Gross 8°. 12 Bogen. Brosch. Mark 6.—, geb. Mark 7.50.
Nach kurzem geschichtlichem Ueberblick iührt die Verfasserin den Leser in dasWesen der Schriftdeutungskunde ein, schildert sodann in glühenden Worten ihr Zusammen-treffen mit Friedrich Nietzsche im October 1876 und schwelgt in Erinnerung schön-geistiger Unterhaltung mit dem grossen Dichter-Philosophen. — An der Hand von 29zum grössten Theil unveröffentlichten Facsimiles zeigt Freifrau von Ungern-SternbergNietzsches Entwickelungsgang von seiner Jugendzeit bis zum Ende seines Schaffensund führt den Beweis, dass bei ihm von einer erblichen Belastung keine Rede sein kann.
Des Weiteren wird mit Hilfe der Graphologie Nietzsches geistiges Verhältniszu Richard Wagner, Frau Cosima Wagner, Jacob Burckhardt, Graf Gobineau, ErwinRhode, Peter Gast, C. von Gersdorff, Nietzsches Vater, Mutter und Schwester, sowie zuGoethe, Beethoven, Napoleon I. und Bismarck eingehend besprochen. Von all den Ge-nannten sind tadellose Facsimiles beigefügt, welche neben der Reproduction der Oldeschenkünstlerich vollendeten Radirung Friedrich Nietzsches, sowie der Beigabe einesNietzschebildes aus der Zarathustrazeit, schon die Anschaffung des Buches von selbstempfehlen.
Heinrich Driesmans.
Die plastische Kraft
in Kunst, Wissenschaft und Leben.
Gross 8°. 14 Bogen. Brosch. Mark 4.—, geb. Mark 5.50.
Der Verfasser dieses Buches betrachtet die Kunst, die Wissenschaft und dasLeben, mit welch* letzterem die beiden ersteren sich durchdringen und in dem sie auf-gehen müssen, wenn sie ihrer wahren Bestimmung genügen sollen, als erzeugt undgetragen von derselben plastischen Kraft, welche den menschlichen Leib gebildetund im Zeugungstriebe noch fort und fort Menschenleiber zu bilden bestrebt ist: künst-lerisches Vermögen und Wissensdrang sind ihm nur erhöhte, vergeistigte Abwandlungendieses Triebes. Er hat sich an das kühne Unternehmen gemacht, von der Kunst derKunstwerke zur Kunst des Lebens die Brücke zu schlagen und der heute alleingewertheten akademischen Wissensbildung, der Gelehrsamkeit, der Gefühlsbildung, daslebendige Wissen als ein Höherwerthiges, als die Bildung der Zukunft ent-gegenzustellen. Dem wissenschaftlichen Streben wie dem künstlerischen Vermögen mussder innere plastische Trieb zu Hülfe kommen, wenn beide nicht bloss „Technik**bleiben, sondern zu wahrer höherer Bildung führen sollen. Die Ursache der Entartungin Kunst, Wissenschaft und im modernen Leben überhaupt findet der Verfasser in derErkrankung und dem Verfall der plastischen Kraft des modenien Menschen. Diesewieder zu entfachen und ihr die Wege zu einer neuen höheren Lebensform zu erschliessen,hat er sich in dem vorliegendem Buche zur Aufgabe gesetzt.
Es giebt kraftgeniale Denker, wie es kraftgeniale Dichter giebt — und geradeunter den Modernen finden sich beide ziemlich genug vertreten. Dass Driesmans zuihnen gehört, beweisen schon die Überschriften der einzelnen Paragraphen in der Inhalts-angabe. -Das Buch wirkt anregend, ist originell und in keiner Weise schablonenhaft.
Rudolf von Gottschall.
Ein ausgezeichnetes Buch, welches mit kritischem Scharfblick die Schattenseitendes modernen Kulturlebens erkennt und aus einer reichen Fülle von Kenntnissen herausMittel zur Sanirung der kulturkranken Staaten und Völker empfiehlt. — Die Darstellungist .eine durchaus vornehme. Das Buch bietet eine Fülle von Anregung und Belehrung.
Neue Musik-Zeitung.
Das Buch hat den für derartige Bücher nicht häufigen Vorzug, von Anfang bis zuEnde zu fesseln, ohne zu ermüden; es dürfte ohne Bedenken als eine der wertvollstenSchriften, die durch die Gedanken Nietzsche’s und die Bestrebungen Egidy’s angeregtsind, zu bezeichnen sein. Versöhnung.