Druckschrift 
9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
Entstehung
Seite
310
Einzelbild herunterladen
 

3io

derung gesammelt hatten, erscholl bereits in drohendemund heftigem Tone die Rede des Greises.Nein! Nein!,rief er uns zu,hier wird nicht duellirt! Am wenigstendürft ihr es, ihr studirenden Jünglinge! Fort mit denPistolen! Beruhigt euch, versöhnt euch, reicht euch dieHände! Wie? Das wäre das Salz der Erde, die Intelli-genz der Zukunft, der Same unserer Hoffnungen unddas kann sich nicht einmal von dem verrückten Ehren-katechismus und seinen Faustrechtssatzungen freimachen?Eurem Herzen will ich dabei nicht zu nahe treten, abereuren Köpfen macht es wenig Ehre. Ihr, deren Jugenddie Sprache und Weisheit Hellas und Latiums zurPflegerin erhielt, und auf deren jungen Geist man dieLichtstrahlen der Weisen und Edlen des schönen Alter-thums frühzeitig fallen zu lassen die unschätzbare Sorgegetragen hat ihr wollt damit anfangen, dass ihr denCodex der ritterlichen Ehre, das heisst den Codex desUnverstands und der Brutalität zur Richtschnur euresWandels macht? Seht ihn doch einmal recht an,bringt ihn euch auf deutliche Begriffe, enthüllt seine er-bärmliche Beschränktheit und lasst ihn den Prüfsteinnicht eures Herzens, aber eures Verstandes sein. Ver-wirft dieser ihn jetzt nicht, so ist euer Kopf nicht ge-eignet, in dem Felde zu arbeiten, wo eine energischeUrtheilskraft, welche die Bande des Vorurtheils leichtzerreisst, ein richtig ansprechender Verstand, der Wahresund Falsches selbst dort, wo der Unterschied tief ver-borgen liegt und nicht wie hier mit Händen zu greifenist, rein zu sondern vermag, die nothwendigen Erforder-nisse sind: in diesem Falle also, meine Guten, sucht aufeine andere ehrliche Weise durch die Welt zu kommen,werdet Soldaten oder lernet ein Handwerk, das hat einengoldenen Boden.