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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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sicht, für unsere productiven Neigungen in Kunst undLitteratur eine feste und verpflichtende Organisation zufinden: das heisst schlichter ausgedrückt: es musste sichein jeder von uns verbindlich machen, von Monat zuMonat ein eignes Product, sei es eine Dichtung oder eineAbhandlung oder ein architektonischer Entwurf oder einemusikalische Production, einzusenden, über welches Pro-duct nun ein jeder der anderen mit der unbegrenztenOffenheit freundschaftlicher Kritik zu richten befugt war.So glaubten wir unsere Bildungstriebe durch gegenseitigesÜberwachen ebenso zu reizen, als im Zaume zu halten:und wirklich war auch der Erfolg derart, dass wir immereine dankbare, ja feierliche Empfindung für jenen Momentund jenen Ort zurückbehalten mussten, die uns jenenEinfall eingegeben hatten.

Für diese Empfindung fand sich bald die rechteForm, indem wir uns gegenseitig verpflichteten, wennes irgend möglich sei, an jenem Tage, in jedem Jahredie einsame Stätte bei Rolandseck aufzusuchen, an derwir damals, im Spätsommer, in Gedanken neben ein-ander sitzend, uns plötzlich zu dem gleichen Entschlüssebegeistert fühlten. Genau genommen, ist diese Verpflich-tung doch nicht streng genug eingehalten worden; abergerade deshalb, weil wir manche Unterlassungssünde aufdem Gewissen hatten, wurde von uns beiden in jenemBonner Studentenjahr, als wir endlich wieder dauerndam Rheine wohnten, mit grösster Festigkeit beschlossen,diesmal nicht nur unserem Gesetz, sondern auch unseremGefühl, unserer dankbaren Erregung zu genügen undam rechten Tage die Stätte bei Rolandseck in weihe-voller Weise heimzusuchen.

Es wurde uns nicht leicht gemacht: denn geradean diesem Tage machte uns die zahlreiche und muntere