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9 : Abth. 2, Nachgelassene Werke ; Bd. 1 (1903) Aus den Jahren 1869 - 1872
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82.

Die Zustände, in denen wir von Volkspoesie reden,sind so nebelhaft, dass wir das schaffende Genie nichtbei Namen nennen können. Aber die Sprachen-, Reli-gionen- und Mythenschöpfung, ebenso die der grossenVolksdichtungen geht auf Einzelne zurück: es giebtimmer wenig Productive den Empfangenden gegenüber.Dass etwas vom ganzen Volke approbirt wird, hat nurfür dasselbe den Werth, dass unter der Masse des Volkessich auch die urtheilsfähigen Genien befinden.

83.

Im Volke finden wir überall die zurückgelassenenSpuren der durchgegangenen Löwen des Geistes: inSitte, Recht, Glauben, überall hat sich die Menge demEinfluss Einzelner gebeugt.

Dasrein Menschliche ist eine Phrase; noch mehr:eine Illusion der gemeinsten Art.

84.

Der Blüthemoment unserer epischen Cultur istGoethe in Italien.

85.

Unsere epische Cultur kommt in Goethe zumvollen Ausdruck. Schiller weist auf die tragische Cul-tur hin.

Diese epische Cultur breitet sich in unserm Natur-wissen, Realismus und Romanwesen aus. Der Philosophderselben ist Hegel.