Druckschrift 
Die fröhliche Wissenschaft :
("la gaya scienza")
Entstehung
Seite
216
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Der Glaube an sich. — Wenige Menschen über-haupt haben den Glauben an sich; — und von diesenWenigen bekommen ihn die Einen mit, als eine nütz-liche Blindheit oder theilweise Verfinsterung ihres Geistes— (was würden sie erblicken, wenn sie sich selbef aufden Grund sehen könnten!), die Andern müssen ihnsich erst erwerben: Alles, was sie Gutes, Tüchtiges,Grosses thun, ist zunächst ein Argument gegen denSkeptiker, der in ihnen haust: es gilt, diesen zu über-zeugen oder zu überreden, und dazu bedarf es beinahedes Genie’s. Es sind die grossen Selbst-Ungenügsamen.

285.

Excelsior! — „Du wirst niemals mehr beten,niemals mehr anbeten, niemals mehr im endlosen A"er-trauen ausruhen — du versagst es dir, vor einer letztenWeisheit, letzten Güte, letzten Macht stehen zu bleibenund deine Gedanken abzuschirren — du hast keinenfortwährenden Wächter und Freund für deine siebenEinsamkeiten — du lebst ohne den Ausblick auf einGebirge, das Schnee auf dem Haupte und Gluthen inseinem Herzen trägt — es giebt für dich keinen Ver-gelter , keinen Verbesserer letzter Hand mehr — esgiebt keine Vernunft in Dem mehr, was geschieht, keineLiebe in Dem, was dir geschehen wird — deinemHerzen steht keine Ruhestatt mehr offen, wo es nurzu finden und nicht mehr zu suchen hat, du wehrstdich gegen irgend einen letzten Frieden, du willstdie ewige Wiederkehr von Krieg und Frieden: —Mensch der Entsagung, in Alledem willst du entsagen?